×

Der Verzicht im Januar ist sinnlos

Uhr
Talina
Steinmetz

Das grosse Fressen und Saufen der Feiertage ist vorbei. Was bleibt, ist das schlechte Gewissen und ein drückender Hosenknopf. Hätte man doch bloss nur einmal nachgeschlagen beim Dessert. Oder nur zwei Gläser Wein statt die ganze Flasche getrunken - dann würde man sich jetzt garantiert besser fühlen.  

Um dem schlechten Gewissen entgegen zu wirken, nehmen sich Herr und Frau Schweizer ganz viel vor. Der erste Monat des neuen Jahres soll‘s richten. Dry January: Einen Monat keinen Alkohol trinken. Nach dem ganzen Wein im Dezember ist das schön nötig. Veganuary: Den ganzen Januar keine tierischen Produkte konsumieren. Bei dem Fleischkonsum über die Festtage braucht man das. Detoxkur zum Jahresanfang, um den Körper zu entgiften und gleich noch ein paar Kilos zu verlieren – zwei Fliegen auf einen Schlag quasi.

Was all diese Vorhaben gemeinsam haben: Ein plötzlicher und quälender Verzicht. Sie fördern nicht die langfristige Gesundheit, sondern beruhigen das schlechte Gewissen einen Monat lang. Ganz nach dem Motto: Verzichten und sich gleichzeitig darauf freuen, im Februar dann wieder in die alten Gewohnheiten zurückzufallen. Man hat sich selber und anderen schliesslich bewiesen, dass man es einen Monat lang kann.

Alles mit Mass

Wer einen Monat lang auf tierische Produkte verzichtet, um dann am 1. Februar gleich ein Rib-Eye-Steak mit einer Schüssel Mayonnaise reinzuhauen, kann es auch gleich ganz lassen. Denn: Gesunde oder vegane Ernährung oder der Verzicht auf Alkohol sollte keinem Datum angegliedert sein und vor allem nicht auf schlechtem Gewissen basieren.

Statt nach der Völlerei an den Feiertagen einen Monat lang absolut zu verzichten, sollte man besser die eigenen Routinen und den Ernährungsalltag im Allgemeinen in Frage stellen – unabhängig von Datum oder Monat. Gibt es etwas an meinen Gewohnheiten, das ich langfristig ändern kann?  Das mir und meiner Gesundheit gut tut, ohne dass ich komplett auf etwas verzichten müsste? Und kann ich mir auch etwas Mal gönnen, ohne dass ich stark über die Stränge schlage?

Wer diese Fragen mit Ja beantworten kann und seine Gewohnheiten entsprechend anpasst, ist irgendwann mit sich und der eigenen Ernährung im Reinen. Und zwar so, dass er das Weihnachtsessen geniessen kann und sich nicht zum sinnlosen Januarverzicht gezwungen fühlt.

Kommentar schreiben

Kommentar senden

Ich denke nicht, dass dieser Verzicht nichts bringt. Naja, ich gebe zu, es kommt wirklich darauf an was danach geschieht. Wenn man den Februar benötigt, um den Januar zu kompensieren und sich völlig weghaut und sich zudröhnt, bringt die Sache wahrscheinlich wirklich nichts. Jedoch ist es kaum möglich seine Routinen im Alltagstrott zu ändern. Dafür ist man doch gezwungen in einem solch trockenen Januar alternativen zu suchen. Meine Freunde mussten einen alkoholfreien Cocktailabend mit mir mitmachen. Voller entsetzen mussten sie feststellen, dass ich kein Alkohol zu Hause habe. Jedenfalls denke ich in einem solch blödsinnigen Monat, findet man sicher einiges, dass man danach in den Alltag integrieren lässt, wie zum Beispiel vegane, oder vegetarische alternativen und Rezepte usw.