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Züriost-Blog

Wie mich ein Ikea-Paket besiegte und ich meine Würde verlor

Redaktion
Züriost
Mittwoch, 09. September 2020, 10:38 Uhr Züriost-Blog

Natürlich ist Kinderhaben das Allerschönste. Aber ehrlich: Hausfrauen oder -männer-Vormittage sind oft anstrengend und trotzdem etwas öde, sodass es mich gar nicht gestört hat, als ich zu Ikea musste wegen eines dringenden Regal-Kaufes. Die Kinder waren ausser Haus und bis ich das benötigte neue Legoregal gefunden hatte, lief es wirklich reibungslos.

Nur war es ein ziemlich grosses Regal, das in einem sperrigen Pack daherkam, aber das Ikea-Schild («Zu schwer? Wir helfen Ihnen!») spornte mich an, es trotzdem selber auf den Einkaufswagen zu lupfen.

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Es dauerte nur zehn Minuten, bis ich das Paket Millimeter für Millimeter vom Stapel geschoben hatte und es dann geschickt mit meinem Stiefel auffing. Nach weiteren fünf Minuten hatte ich es auf den Wagen gewuchtet. Nun fiel mir auf, dass der Strichcode leider nicht nach vorne zeigte, was an der Kasse nicht gut ankommt.

Ich hatte die Wahl: Das Regal stehen lassen und die Lego meines Filius verschenken oder meine Muckis einsetzen und stolz darauf sein. Ich setzte meine Muckis ein und war stolz darauf, und als Belohnung machte ich einen Abstecher in die Serviettenabteilung.

Als ich nach dem Bezahlen in der Tiefgarage ankam und das Parkticket zahlen wollte, merkte ich, dass ich 10 Rappen zu wenig hatte. Anpumpen wollte ich niemanden, daher wechselte ich an den Automaten, der auch Kartenzahlung akzeptiert. Nur meine Karte akzeptierte er nicht. Er spuckte sie dreimal aus und hinterliess jedes Mal krassere Kratzspuren auf dem Magnetstreifen.

Ich versuchte es mit einer anderen Karte, aber den Trick durchschaute der Automat. Also begab ich mich einen Stock höher an den Kundendienst. Dort musste ich zehn Minuten warten, weil eine andere Kundin fünfzehn flache (leichte!) Pakete umtauschen wollte, was ihr gutes Recht ist. Trotzdem, blöde Kuh.

Als ich an der Reihe war und mein Anliegen mit gemessener Empörung vortrug, gab sich die Mitarbeiterin sehr überrascht (ich schwöre, sie hatte einen schwedischen Akzent!) und rief einen «Fachmann» an. Dieser verurteilte mich durch das Telefon der Blödheit, da ich sicher die falsche Karte benutzt hätte. Ich verurteilte ihn telefonisch der Frechheit, bis er fragte: «Postcard?» und mir mitteilte, es stehe auf dem Automaten, dass die Postcard leider nicht gehe (später habe ich das überprüft und muss sagen: Es stand wirklich drauf, aber ich hatte meine Lupe gerade nicht dabeigehabt).

Nun ja, daraufhin begab ich mich auf Rat der Schwedin, äh, Ikea-Mitarbeiterin, zum Bancomaten, um Geld abzuheben. Dieser wollte meine Postcard aber auch nicht fressen, weil der Billetautomat den Magnetstreifen zu sehr zerkratzt hatte. Mit der zweiten Karte klappte es dann, und ich hatte endlich Kohle.

Trotz Lämpli und Tässli: In der Ikea wird die Geduld der Redaktorin auf die Probe gestellt. (Symbolfoto: Pixabay)

Danach ging es darum, das Mordspaket mit dem neuen Lego-Regal ins Auto zu wuchten. Ein netter Mann bot mir Hilfe an, und ich war frustriert genug, sie anzunehmen. Gegen Ende der Wuchtaktion entliess ich ihn freundlich mit dem Hinweis, ich müsse ja jetzt nur noch den Beifahrersitz herunterlassen und dann von hinten schieben, das könne ich auch alleine.

Er ging, und ich merkte, dass man unseren Beifahrersitz nicht herunterlassen kann. Also musste ich das Paket halb wieder herausschieben, zum Kofferraum rennen, um es aufzufangen und zwischen die Vordersitze zu schieben.

Nun hörte ich die Stimme meines Mannes im Kopf, das sei gefährlich so, das Regal könnte bei einer Vollbremsung nach vorne donnern. Darum schob ich es ganz an die Armatur heran, sodass es schon ganz vorne war. Mit dem Hinterteil des Pakets fixierte ich im Kofferraum den Sack mit dem üblichen Ikea-Kram: Servietten, Tassen, Lämpli.

Beim Losfahren merkte ich nun, dass das Regal etwas unangenehm auf meinen rechten Arm drückte, wenn ich eine Linkskurve machen musste. Diese Probleme löste ich, indem ich Linkskurven mied und im Fall der Fälle mit dem Ellbogen proaktiv gegen das Paket drückte. Ich dankte dem Schicksal, dass mein Mann mich nicht sehen konnte.

Nun raste ich zur Spielgruppe, wo mich meine Tochter sehr wütend anblaffte, sie wolle noch bleiben, worauf ich ihr mitteilte, dass ihr Bruder gleich vom Kindergarten käme und sie sich jetzt gefälligst auf die Socken machen müsse. Im Auto stellte sie fest, dass sie ihren Plüschtiger vergessen hatte, und sorgte für die stets angenehme Geräusch-Kulisse: Heulen.

Nachdem ich sie aus dem Auto brachte und dem Paket einen Abschiedskuss zugeworfen hatte (selber ausladen wollte ich nicht, also musste es im Auto warten), hetzte ich in die Wohnung und bastelte ein Mittagessen.

Als der Sohnemann heimkam, berichtete er von seinem Morgen (Lava und Gaggibomben), wollte noch vor dem Jacke ausziehen wissen, ob die Schweiz näher am Äquator oder am Nordpol sei und was ich so gemacht habe.

Ich sei bei Ikea gewesen und habe ihm ein neues Lego-Regal geholt, sagte ich. Und er meinte lapidar: «Und suscht hesch nüt gmacht? Schön, dass du en gmüetliche Morge gha hesch!»

Isabelle Maissen fragt nicht, ob sich Beruf und Familie vereinen lassen. Sie packt einfach alles ins Leben, was ihr wichtig scheint: Den abenteuerlichen Alltag mit zwei Schulkindern, einen Job, der jeden Tag anders daherkommt und viel Auslauf in Form von sportlicher Betätigung. Manchmal liegt auch etwas Schlaf drin. Der Ehemann «hilft» nicht im Haushalt, sondern erledigt genauso selbstverständlich seine Hälfte, wie sie ihre Hälfte zum Einkommen beiträgt. Die Ehe funktioniert trotzdem und die Kinder wirken soweit unbeschädigt.

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