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Züriost-Blog

Liebe Migros, bitte nimm auch die Schnäggli aus dem Sortiment

Thomas
Bacher
Sonntag, 28. Juni 2020, 10:12 Uhr Züriost-Blog

Liebes Migros-Team

Mit diesem Schreiben möchte ich mich ganz herzlich bei euch dafür bedanken, dass ihr diese unsäglich rassistischen Mohrenköpfe aus dem Sortiment entfernt habt. Ebenso lobenswert ist euer Entscheid, diese unappetitlichen, sexistischen Tragtaschen zu zerstören. Allerdings gibt es noch sehr viel zu tun. Ich habe euch eine Liste mit Produkten aufgesetzt, die ihr in den nächsten Tagen bitte auch noch aus dem Angebot entfernt.

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Bio Max Havelaar Basmati Langkornreis: Das Bild des Reisbauern mit geflochtenem Strohhut auf der Verpackung entspricht der stereotypen, im Kern rassistischen Vorstellung, welche weisse Industrienationen-Bewohnende von der stolzen Landbevölkerung Südostasiens haben.

Eissplitter: Diese Bonbons bagatellisieren die wissenschaftlich anerkannte Tatsache, dass Gletscher und Eisschilde aufgrund des Klimawandels TATSÄCHLICH splittern. Die Verpackung mit dem Eisbären, der auf eine kleinen Eisscholle treibt, ist zudem eine unangebrachte Verhöhnung der Opfer dieser menschgemachten Katastrophe.

Avocados: Die Bezeichnung geht auf das Azteken-Wort «ahuacatl» zurück, welches auch «Hoden» bedeutet. Die Omnipräsenz dieses Symbols männlicher Dominanz und Unterdrückung in der Auslage lässt sich mit dem Manspreading im öffentlichen Verkehr gleichsetzen. Verbieten!

Schaumküsse, diverse Sorten: Sexualisierung einer Süssigkeit allein zum Zweck der Verkaufsförderung.

ABC-Suppe: Solange diese Buchstabensuppe nicht in Leichter Sprache angeboten wird, schliesst sie Personen mit Lese-/Schreibschwäche oder einer Lernbehinderung aus. Ausserdem ist auf der Verpackung ein Warnhinweis nötig, dass die Konsumierenden mit den Buchstaben keine Worte bilden dürfen, die gegen die Antirassismus-Strafnorm verstossen oder die sexuelle Integrität von Frauen* und Transmenschen tangieren.

Actilife Wellness Crisp: Die Darstellung einer jungen Familie auf der Verpackung könnte für unfreiwillige Singles verstörend wirken.

Urner Chäsli: Die Abbildung des Stiers auf der Käseverpackung wirkt übergriffig und pornografisch. Stiermilch??? Das ist reinstes Bukkake in Käseform. Einfach widerlich!!!

Bon Chef Tierlisuppe: Durch die Teigwaren in niedlicher Tierform werden Kinder dazu angestiftet, Fleisch zu essen. Eine Gehirnwäsche der imperialistischen Schlachtindustrie. Dass auch Pasta-Hunde in der Suppe landen, macht es besonders abstossend, handelt es sich dabei doch um eine unrechtmässige kulinarisch-kulturelle Aneignung chinesischer Essensgewohnheiten.

Müscheli und Schnäggli, Teigwaren: Diese infantile Verniedlichung des primären Sexualorgans der Frau* zieht die weibliche* Sexualität ins Lächerliche. Wenn ihr euch nicht getraut, Teigwaren-Vulvas zu verkaufen, dann lasst es.

Und bitte verzichtet künftig darauf, Pflanzen in der Auslage in die willkürlichen Kategorien «Früchte» und «Gemüse» zu unterteilen. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich so manche Cherrytomate eher als Frucht fühlt. Ebenfalls identifizieren sich ganz bestimmt nicht wenige Melonen eher mit Gurken als mit Äpfeln und Birnen.

Vielen Dank für eure Bemühungen und liebe Grüsse

Thomas Bacher

P.S. Und jetzt hätte ich noch ein persönliches Anliegen: Bitte nehmt unbedingt auch die Salatgurken aus dem Angebot. Es ist für Männer sehr verletzend, beobachten zu müssen, wie Kundinnen die kleinen, krummen Exemplare verächtlich zur Seite schieben, um an die stattlichen, geraden zu gelangen.

Thomas Bacher ist überzeugt davon, dass die Welt um ihn herum immer verrückter wird. Seinen Psychiater möchte er damit nicht belästigen, viel lieber schreibt er darüber.

Steht für männliche Dominanz und Unterdrückung: die Avocado. (Pixabay)

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Fast jedes Bild, fast jede Benennung von Dingen KANN rassistisch gedeutet werden, wenn man die Lupe darauf hält!
Wahre Nichtrassisten brauchen nicht an Demos zu gehen, nehmen keine Produkte aus dem Angebot und brauchen keine Strassen umzubenennen. ES IST FÜR SIE KEIN THEMA, denn es ist für Sie nätürlich nicht rassistisch zu denken! Die Migros macht sich damit nur lächerlich.

Dankeschön der Mensch ist am degenerieren vorallem das Gehirn....
Sie stossen sich an Benennung von Gegenständen Orten Artikeln die rassistisch scheinen.... Warum kümmert sich niemand um die Arbeits Bedingungen Löhne dieser Arbeiter- /innen die für Hungerlöhne menschenunwürdigen Umständen Tag für Tag ums überleben kämpfen???
Da rebelliert niemand egal ob schwarz oder weiss Mensch ist Mensch... Die Grossverteiler Industrie Politik verdienen!!! Die Bauern Feld- und Fabrickarbeiter bleiben auf der Strecke...
Warum gehen da die Leute nicht auf die Strasse /im Internet/in Zeitungen ect. und vorallem warum kaufen sie noch in diesen Geschäften ein und unterstützen nicht die Menschen die es verdienen? Warum gibt es für CEO s nicht einen Maximal Lohn all diese die den Kragen nie voll genug kriegen? Warum gibt es keine Vorgaben nur noch 1 Verwaltungsrat Mandat zu erlauben? Warum erhalten abtretende Politiker /CEOs eine Abfindung für was?
Komisch das alles wird akzeptiert das ist diskriminierend und rassistisch all den Menschen gegenüber die sich Tag für Tag bemühen unserer ach so selbstherrlichen Gesellschaft zu dienen!!! Es macht echt traurig 😢

Schön zu lesen so etwas! Ich finde auch - und das schon lange - dass diese Welt immer mehr "durchdreht". Für mich sind das Leute, die gelangweilt sind, weil sie keine richtigen Problieme haben! Es war augenfällig: Kaum hatte sich die "Corona-Situation" ein wenig beruhigt, schon ging es los mit "Uncle Ben" etc. Und ein Teil ist, bei diesen "Suchern", sicher auch noch eine gewisse "Streitsucht"!
Ich möchte Sie noch darauf hinweisen, dass man auch dieses dumme Wort "Männer-Pflanze" wieder verbieten sollte! Es stellt uns Männer hin, als ob wir zu blöde wären, für "richtige" Blumen oder Pflanzen!

Logisch, dass sich der Schreiber hier gleich in die in die rechtsaussen Szene manöveriert hat und sich wohl bei der Redaktion erklären muss.
Auch beim ZO muss man sich wirklich gut überlegen, ob Satire die aktuell Überhand nehmenden Bewegungungen hinterfragen darf, oder risikiert man künftig Bombendrohungen und Protestaktionen vor der Redaktion? Dann sollte man solche Beiträge sofort löschen und die Satire in Richtung Trump, SVP umlenken. Das ist doch auch ganz praktisch, wenn andere für einen das Denken & Handeln übernehmen

Ich bin schockiert. Es ist also verrückt, endlich diese grauenhafte Symbolisiereung einer Süssigkeit abzuschaffen, welche suggerriert den Kopf eines anderen Menschen zu essen, sei eine Delikatesse. Die Bezeichnung ist zudem beschämend für die ganze Menschheit, wenn man bedenkt in welchem Kontext der Begriff Mohrenkopf entstanden ist. Die Abschaffung dieses auf schockierende Weise normalisiertem Begriff öffentlich ins lächerliche zu ziehen, ist unverantwortlich. Ganz davon abgesehen, dass hier ganz klar eine öffentliche Demoralisierung all derer stattfindet, die sich in Zukunft weiter um die Aufklärung von Menschen wie Ihnen bemühen wollen, ist es mir wichtig, hier meine Ablehnung gegen diesen Artikel zu bekunden! Lieber Herr Bacher, ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Outing als ungebildeten, rassistischen und ignoranten Bewohner dieses Planeten.

Schön für Herrn Bacher, dass er sich über Rassismus im Alltag lustig machen kann. Für mich und viele andere schwarze Menschen ist es leider kein Witz. Wieso es für den Autor dermassen wichtig ist, dass eine Süssspeise weiterhin eine rassistische Beleidigung im Namen trägt und damit zur Weiterexistenz und Gebrauch des Wortes verhilft, verstehe ich nicht. Seien sie doch einfach froh, können Sie entscheiden, wann Sie über Rassismus diskutieren wollen, viele können es nicht und müssen sich wie FCZ-Spieler Tosin solche und andere rassistische Beschimpfungen gefallen lassen.

So unbeschwert kann man nur über ein Thema schreiben, das man auch nicht im Ansatz verstanden hat. Aber warum sollte man auch, wenn es einen nicht betrifft. Da macht man sich doch lieber mal herzhaft lustig, lässt sich von anderen Nichtbetroffenen auf die Schulter klopfen und geht wieder mit der gleichen Ignoranz durchs Leben wie vorher.

Da bleibt mir doch beim lesen fast das Wienerli im Hals stecken! Um den Schreck etwas zu mildern gönne ich mir noch einen Berliner zum Dessert. Für den Abend lege ich vorsoglich wegen safer sex noch Pariser bereit. Vieleicht brauchts da und dort ja einen Engländer um lose Schrauben im Oberstübli zu fixieren. Wer weiss.
?

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