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Züriost-Blog

Michelin-Sterne für Kokosklumpen

Lea
Chiapolini
Mittwoch, 10. Juni 2020, 19:15 Uhr Züriost-Blog

Meine Mutter sagt immer, wer das Bett erfunden hat, der sollte einen Nobelpreis erhalten. Stimmt natürlich. Erfindungen oder Entdeckungen lassen uns oft sprachlos zurück. Und sind meistens ein bisschen komplexer aufgebaut als das Bett.

Medizinische Durchbrüche wie etwa neue Operationsmethoden tragen oft die Namen der Damen und Herren, die sie entdeckt haben. Aber auch die für uns mittlerweile alltäglichen Dinge und Mechanismen wurden einst entdeckt oder entwickelt. Und wer wars? Keine Ahnung.

Popcorn? Da haben einige Inkas wohl die vertrockneten Maiskolben zum Anfeuern benutzen wollen und - pengpengpeng - Knusperspass! Jogurt? Jemand hatte vielleicht Milch in einem unsauberen Kübel in der Sonne vergessen und war danach mutig genug, das säuerliche Zeugs noch zu probieren.

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Alles purer Zufall. So rede ich es mir auf jeden Fall immer ein, wenn bei mir in der Küche etwas schiefläuft. «Bestimmt bin ich kurz vor einem kulinarischen Durchbruch», sage ich mir. Und da ich die Michelin-Sterne bereits vor meinen Augen herumtanzen sehe, stürze ich mich dann oft erst recht und mit einem Kopfsprung genüsslich ins Verderben.

Mit Mengenangaben habe ich es sowieso nicht so. Und wenn mir eine Zutat zu einem Rezept fehlt, dann finde ich garantiert irgendwo zuhinterst im Chuchischränkli ein mehr oder weniger plausibles Substitut. Mehr oder weniger. 

Heute morgen, als ich meine Beute vom Wocheneinkauf in den Kühlschrank verstauen wollte, fiel eine 6er-Packung Eier zu Boden. Zwei waren danach leicht angetütscht. Also mussten sie verwertet werden. Als ich gerade frisch-fröhlich dabei war, meinen bewährten Cupcakes-Teig zu verrühren, fiel mein Blick auf eine Packung Kokosmehl in der Backschublade. Auf dieser steht, dass man herkömmliches Mehl bis zu einem Viertel mit diesem ersetzen könne.

Und was, wenn man es komplett mit Kokosmehl ersetzt?

Da waren sie wieder, die tanzenden Michelinsterne. Kaum eine Minute später war ich jedoch wieder am nur zu bekannten Punkt, an dem ich grummelnd Stossgebete gen Backhimmel ausstiess, weil sich mein sonst so geschmeidiger Teig plötzlich als Klumpen vor mir präsentierte.

Muffinförmchen für den flüssigen Teig brauchte ich an diesem Tag nicht. Ich formte die schwere Pampe zu Kugeln und warf sie mittelmotiviert in den Backofen. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe Kokosmakrönli erfunden. Oder wie sie neu heissen sollen: Chiapolini-Klumpen. 

Lea Chiapolini will doch eigentlich gar nicht so viel. Nur ein schönes Leben, gutes Essen, viel zu lachen und ab und zu etwas zu motzen. Und natürlich immer Recht haben. Aber dies ist ihr erstes Leben. Sie übt noch.

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