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Die Strasse, der Wi**er und ich

Züriost-Blog

Die Strasse, der Wi**er und ich

Talina
Steinmetz
Mittwoch, 12. Februar 2020, 10:48 Uhr Züriost-Blog

Ich liebe es, Auto zu fahren. Geschwindigkeit, eigene Musik, lustige Radio-Fragestunden und eine Sitzheizung – bin ich mit dem Auto unterwegs, bin ich glücklich. 

Bis vor ungefähr drei Wochen. Da meinte eine gute Freundin zu mir, dass sie sich nicht immer ganz wohl fühlt, wenn sie bei mir mitfährt. Das hat mich in diesem Moment schon etwas getroffen.

Statt mich deswegen aber aufzuregen, habe ich versucht, mein Fahrverhalten aus ihrer Sicht zu begutachten  #selbstreflexion. Ich nahm mir vor, mein Verhalten im Strassenverkehr während einigen Tagen bewusst zu beobachten und bei Bedarf anzupassen.

Start: Montagmorgen. Strecke: WinterthurWetzikon. Meine Stimmung: Montagig.

Schon beim Ausparkieren wurde ich auf die Probe gestellt. Um meinen Parkplatz verlassen zu können, muss ich rückwärts auf die viel befahrene Strasse vor meinem Haus fahren. Der Haken: Egal ob ich nach links oder rechts schaue, nach 200 Metern kommt ein Rotlicht. Ich muss also den richtigen Moment erwischen, in dem beide Lichter auf Rot stehe. Ansonsten gibt es keine Lücke für mich.Würde nicht ab und zu einer anhalten, um mich rauszulassen, stünde ich wohl heute noch dort.

An diesem Montagmorgen war aber leider keiner so nett.

7.42 Uhr. 7.43 Uhr. 7.44 Uhr. 7.45 Uhr. 7.46 Uhr. Ich wartete und wartete. Mein Nacken war verkrampft vom Blick über die Schulter. Ich war schon bereit, wieder auszusteigen und ins Bett zu gehen, da blitzte es plötzlich hinter mir. Da steht einer und licht-hüpelt mich an. ICH KANN FAHREN. Praise the lord!

Denke ich zumindest. Denn kaum fahre ich los, rollt auch er nach vorne. Ich stehe reflexartig auf die Bremse. Er ebenfalls. Ich lasse mich zurückrollen. Er nach vorne.

Ich schnaube.

«Talina, riss dich zämme. Chan mal passiere», sage ich mir, in Gedanken an meine Freundin. Also warte ich, dann fahre ich wieder ein bisschen weiter auf die Strasse. Und halte sofort wieder, weil der vermeintlich nette Autofahrer ebenfalls nach vorne rollt. Mittlerweile zeigt die Uhr 7.57 Uhr an. 

JETZTREICHTSMIR.

Ich drücke aufs Gaspedal, reisse das Lenkrad herum und schlittere vor ihm in die Kolonne. Dann rutscht mir ein «Wi**er» raus, bevor ich entschlossen die Fahrt aufnehme. Im Rückspiegel sehe ich das Grinsen des Let-it-Roll-Spezialisten. Es ist gnadenlos schadenfroh.

Nochmal. «Wi**er».

Im Büro angekommen, merke ich, dass ich versagt habe. Und entscheide, dass ich das mit der Selbstreflexion auf nächste Woche verschiebe. Bevor ich mir einen Kaffee genehmige, vibriert mein Telefon.

Nachricht von dieser einen Freundin: «Und, wie isch dini Fahrt is Gschäft gsi?»

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