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Dann retten wir halt die Pinguine

Züriost-Blog

Dann retten wir halt die Pinguine

David
Kilchör
Mittwoch, 26. Juni 2019, 10:20 Uhr Züriost-Blog

Kürzlich über Mittag. Ich schaue im Café eines Freundes vorbei, wo ein anderer Freund grad sein Mittagessen beendet. Der steht auf und ruft: «Dave, von dir hab ich heute Nacht geträumt.»

Ich denke: «Himmeldonnerwetter. Ich wills nicht wissen.» Und sage: «Ich will’s glaups lieber nicht unbedingt wissen.» Er steht auf und setzt sich an meinen Tisch, so dass ich meinen Töfflihelm verschieben muss, obwohls gegenüber auch einen Platz gehabt hätte. Der Töfflihelm wäre mein Sicherheitsabstandsgegenstand gewesen, der jedem allfällig Bekannten als Indiz hätte dienen sollen, dass mir grad nicht nach zu viel Nähe ist.

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Aber leider bringen solche Töfflihelm-Zaunpfahl-Winkereien heutzutage nichts mehr. Und Aussagen wie: «Ich will’s glaups lieber nicht unbedingt wissen», auch grad nicht.

In stiller Würde träumen

Ich finde ganz generell, dass Leute, die von anderen Leuten träumen, dies in stiller Würde tun sollten. Ich handhabe es ja auch so. Wobei das bei mir vor allem daran liegt, dass ich mich morgens nie meiner Träume entsinnen kann. Aber ich glaube, auch wenns anders wär, würd ich nicht drüber sprechen. Ich bin ja auch einer, der sich mit seinem Töfflihelm ein bisschen Privatsphäre verschaffen will.

Aber Freund zwei sieht das offensichtlich anders und erzählt, wie er in seinem Traum ein Haus bauen wollte. Er ist Architekt. Die wollen das auch in den Träumen. Und dann sei ich aus einer Höhle gekommen. Charmant. Ötzi Kilchör. Der Blödsinn beginnt ja schon gut.

Pinguin
Da. Ein Pinguin, der vermutlich bedroht ist. (Foto: PD)

Aber nicht genug. Er sagt, ich hätte einen Pinguin aus Stein in der Hand gehabt und das Ding mittig auf die Baustelle gestellt. Dann hätte ich nach einer Platte Schieferstein gegriffen und begonnen, diese zu raspeln und mit den Stücken den Pinguin zu füttern. Dabei sei das zuvor steinige und meinem Freund zufolge ziemlich entstellte Tier zum Leben erwacht.

Rettet die Pinguine!

Ich frage, wie der Traum zu Ende gegangen sei. Er neigt seinen Kopf hin und her, überlegt und sagt dann, ich sei wohl faktisch jetzt noch daran, den Pinguin zu füttern, worin ein gewisser Einfalts-Vorwurf mitschwingt. Aber ich bin ja auch ein Ötzi, der Traum ist also zumindest stringent. Er sei kurz darauf aufgewacht und überzeugt gewesen, dass da eine tiefere Bedeutung drinstecke. Ich sage spöttisch, ja, es gebe zweifellos irgendeine Pinguinart, die vom Aussterben bedroht sei und deren Rettung ich mich nun verschreiben müsse.

Und dann füge ich an, ich wolle seine Traumdeutung glaups lieber nicht unbedingt wissen. Das hat verschiedene Gründe. Insbesondere glaube ich nicht wirklich an bedeutsame Träume, das Unterbewusstsein oder gar göttliche Visionen im Schlaf – wobei ich natürlich nichts ausschliessen will, abgesehen von diesem Höhlenpingutraum. Aber eben. Heutzutage bringen Aussagen wie: «Ich will’s glaups lieber nicht unbedingt wissen», leider nichts mehr. So wenig wie distanzschaffende Töfflihelme.

David Kilchör bestreitet seinen Blog wie sein Leben: Ohne Plan, ohne Themenschwerpunkt. Dafür mit viel Vertrauen, dass es trotzdem gut kommt. Oder zumindest nicht im Desaster endet. Und wenn es doch im Desaster endet, macht er daraus seinen nächsten Blogeintrag.

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