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Das Medienpaket ist ein sinnvoller Kompromiss

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Der Zürcher Oberländer.
Michael
Kaspar

Sie lesen diesen Text und das freut uns. Schliesslich haben Sie dafür bezahlt, wenn Sie ein Abo besitzen. Dieser Text ist dazu gedacht, Ihnen die Situation für ein Unternehmen wie das unsere zu erklären. Denn am 13. Februar stimmen wir alle über das Massnahmenpaket für die Medienförderung ab. Diese Medienförderung ist wichtig für uns, für unser Unternehmen, aber auch für Sie und das Funktionieren der Demokratie.

Den Zusammenhang zwischen einer demokratischen Gesellschaft und den Medien haben die Gründerväter der Eidgenossenschaft schon früh erkannt. Weil Zeitungen schon damals einen wichtigen Beitrag zur politischen Meinungsbildung leisteten, wurde beschlossen, die Posttarife für die Zeitungsverteilung zu vergünstigen. Dabei ging es weniger darum, möglichst vielen Verlagen das Überleben zu sichern. Vielmehr war die Idee, dass die Zeitungen nicht so teuer wurden, dass sich das nur wenige leisten konnten. Das war die Geburtsstunde der indirekten Presseförderung, die es immer noch gibt.

Die Finanzierungsmodelle der Verlagshäuser haben lange Jahrzehnte gut funktioniert; vor allem mit Werbung, aber auch mit den Abonnementsbeiträgen. Aber die Zeiten haben sich gewandelt, der Werbemarkt fällt seit Jahren zusammen, die Abonnemente sind im Gegenzug immer teurer geworden. Wer sich also heute informieren will und am politischen und gesellschaftlichen interessiert ist, zahlt einen höheren Preis als früher. Vom gesamten jährlichen Werbevolumen in der Schweiz entschwindet mittlerweile eine ganze Milliarde Franken an Google und Facebook, was den Markt komplett verändert und verzerrt.

Ohne unabhängigen Journalismus funktioniert die Demokratie nicht mehr.

Nicht verändert hat sich die staatspolitische Rolle des Journalismus. Unabhängige Medien legen mit ihrer Berichterstattung und Analysen die Basis für die politische Beteiligung. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass die Beteiligung an Gemeindewahlen direkt mit der Intensität der lokalen Zeitungsberichterstattung zusammenhängt. Deutlicher kann man die Bedeutung der lokalen und regionalen Medien nicht zeigen. Der Strukturwandel in der Medienwelt der letzten Jahre ist gefährlich. Wenn Lokal- und Regionalmedien verschwinden, bedroht das die Demokratie. Solche Medien wie die unseren informieren und analysieren und können eine Hilfe sein, sich bei politischen Fragen zu entscheiden. Im Lokalen wissen wir Bescheid. Hier sind wir kompetent. Aber wir können auch nicht alles. Unser überregionales Angebot beziehen wir von der TX Group, weil wir den Leserinnen und Lesern eine Komplettzeitung anbieten wollen und wir uns eigene Ausland- und Inlandredaktionen nicht leisten können.

Kompetenz ist das eine, Glaubwürdigkeit das andere. Beides ist unser Kapital. Daran ändert auch eine staatliche Unterstützung nichts. Wie in jedem seriösen Medienunternehmen ist auch bei uns diese Unabhängigkeit im Redaktionsstatut garantiert. Und zwar nicht nur gegenüber staatlichen Druckversuchen sondern ebenso bei kommerziellem Druck, wenn beispielsweise gute Inserenten versuchen würden, die redaktionellen Inhalte zu beeinflussen. Die jetzt angedachte staatliche Unterstützung hilft aber, unsere staatspolitische Funktion weiterhin wahrnehmen zu können und die kostenintensive digitale Transformation zu schaffen. 

Direkte Förderung einer Branche ist marktpolitisch sicher nicht die beste Lösung. Aber angesichts der Alternativen ist die Vorlage zum Medienpaket ein sinnvoller Kompromiss. Vor allem, weil die Finanzspritze zeitlich befristet und mit 151 Millionen Franken pro Jahr verkraftbar ist. Rund 80 Prozent der zukünftigen Medienförderung geht an die kleineren Blätter, namentlich die Lokal- und Regionalzeitungen. Es ist also keine hauptsächliche Förderung der Grossen, sondern im Gegenteil. Und vor allem profitieren Sie selber, liebe Leserin, lieber Leser. Denn wenn sich immer weniger unabhängige Berichte, Nachrichten, Veranstaltungshinweise und Analysen aus dem persönlichen Lebensumfeld leisten können, dann öffnet dies Tür und Tor für unseriöse und oberflächliche Informationen. Und das gefährdet das Funktionieren unserer Demokratie.

 

Wer wird unterstützt?

- rund 170 Zeitungen und Zeitschriften in allen Landesteilen der Schweiz, von lokalen Wochenblättern über regionale Tageszeitungen bis zu nationalen Titeln
- rund 1’000 Publikationen von gemeinnützigen Vereinen, Stiftungen und Parteien jeder politischen Couleur.
- eine Vielzahl von Online-Newsplattformen.
- 21 Lokalradios und 13 Regionalfernsehen in allen Sprachregionen der Schweiz.
- weitere für die Medienbranche wichtige Organisationen wie Nachrichtenagenturen, Institutionen für die Ausbildung von Journalistinnen und Journalisten, Branchenorganisationen wie z.B. der Presserat und Infrastrukturlösungen für die Gesamtbranche.

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