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Keine Schneeräumung ohne Ärger

Uhr
David
Marti

Der Schweizer ist ein Ordnungsliebendes Wesen, einige haben gar einen Ordnungswahn. Das bekamen die Unterhaltsdienste in der Region zu spüren. Dass während den intensiven Schneefällen im Januar Schnee auf den Strassen liegen blieb, war für einige nicht nachvollziehbar und entsprechend genervte Rückmeldungen mussten die Verantwortlichen entgegennehmen. Schnee wird nicht mehr als natürliches Ereignis hingenommen, sondern als Ärgernis, das schleunigst beseitigt werden soll.

Gelassen über die Schneemaden steigen, einen Zugsausfall hinnehmen oder im Schritttempo zur Arbeit fahren – ungeheuerlich. Dabei müsste zumindest ein Teil der arbeitenden Bevölkerung inzwischen Homeoffice bekannt sein.

Für ältere und gehbehinderte Personen war es ein schwieriges, wenn auch zum Teil unmögliches Unterfangen, durch den Schnee zu kommen. Die Frage ist immer: Muss man genau an diesem Tag raus? Schon Tage vorher warnten Meteorologen: Intensiver Schneefall steht bevor. Wer sich also seinen Wocheneinkauf ausgerechnet auf diese Tage ausgelegt hat, ist selber schuld.

Anders sieht es natürlich bei Notfällen aus. Für die Rettungskräfte können zugeschneite Strassen zum Problem werden. Deswegen haben die Hauptwege zu den Spitälern für die Unterhaltsdienste Priorität. Das hat in der Region gut funktioniert, wie der Rettungsdienst Regio 144 und das Spital Uster auf  Nachfrage bestätigen.

Vergessen geht bei der Arbeit der Unterhaltsdienste in der Region, dass deren Fuhrpark klein ist. Denn solche extremen Wintereinbrüche kehren im Oberland äusserst selten ein. Deswegen setzen die Gemeinden auf Hilfe von Bau- und Transportunternehmen sowie Landwirten. Und die mussten sich während des Dauerschneefalls fragen: Wohin mit dem ganzen Schnee? Ein Chef eines städtischen Unterhaltsdiensts in der Region drückte es mir gegenüber so aus: «Wir können den Schnee ja nicht in den Hosensack nehmen!»

Wie oft sind es aber meist nur die empörten Bürger, die sich bei den Behörden melden. Die überwiegende Mehrheit dürfte sich mit dem Schnee gut arrangiert haben. Zumindest in den Sozialen Medien wird die Arbeit des Unterhaltsdienstes verteidigt und hie und da auch gelobt.

Motzende und jammernde Personen sind keine regionale Eigenheit. Selbst in Kantonen und Gemeinden, wo es öfters und viel schneit, sind sie zu hören. Aus meinem Bekanntenkreis höre ich aus dem Glarnerland oder dem Bündnerland seit Jahren dasselbe Unbehagen gegenüber der Arbeit der Schneeräumequipe: «Die haben’s nicht im Griff!» Die Strassen gehören schwarzgeräumt, jederzeit. Das ist Quatsch. Für ein paar Tage im Jahr sollte es für jedermann möglich sein, eine ausserordentliche Situation hinzunehmen: auch Winter genannt.  

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Ich wohne in Russikon zuoberst an der Wettsteinstrasse (660m). Von der Rumlikerstrasse her (Verbindung vom Gemeindehaus nach Rumlikon)gibt es die Wettsteinstrasse und zwei weitere Querstrassen, um an den oberen Teil der Wettsteinstrasse zu gelangen. Doch seit Jahren ist die Schneeräumung ein aktuelles Thema. Wenn 2 – 3 cm Schnee liegen wird die Wettsteinstrasse und deren Zubringer mehrmals geräumt, doch bei einem Schneefall wie letzte Woche nur sporadisch. D.H., mit einem normalen PW (kein 4Rad) kommt man kaum die stark ansteigenden Querstrassen hinauf. Schon mehrere Male musste ich meinen PW deshalb unten parkieren. Trotz Reklamationen und Vorschlägen zur Verbesserung hat sich die Räumungssituation kaum verbessert. Der einzige Effekt ist, das im Gemeindehaushalt jedes Jahr der „Budgetposten Strassenräumung“ nicht gebraucht wird und vom verantwortlichen Gemeinderäten dies immer hervorgehoben wird als haushälterischer Umgang mit den Gemeindefinanzen. Aber das kann nun wirklich nicht sein!!!