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Tödliche Vorfreude aufs Baby

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California Wildfires
Flames consume a home and car as the Bear Fire burns through the Berry Creek area of Butte County, Calif., on Wednesday, Sept. 9, 2020. The blaze, part of the lightning-sparked North Complex, expanded at a critical rate of spread as winds buffeted the reg
Lea
Chiapolini

Buttercreme in einer Torte oder Konfetti aus einem zerplatzenden Ballon: Die Farbe, die zum Vorschein kommt, gibt an, ob bald ein Junge oder ein Mädchen auf die Welt kommt. Neumodisch «Gender Reveal Party» nennt man die Feierlichkeit, bei der ein solcher Trubel um das Geschlecht des Neugeborenen gemacht wird, dass im schlimmsten Fall eine Fläche von knapp 300 Quadratkilometer Land abbrennt.

So geschehen letzte Woche in Kalifornien. Neben Rekordhitze und Blitzeinschlägen war es unter anderem ein «raucherzeugendes, pyrotechnisches Gerät» an einer solchen Baby-Feier, das einen Brand in der Nähe von San Francisco auslöste, wie die zuständige Brandschutzbehörde mitteilte.

Es ist nicht das erste Mal, dass eine «Gender Reveal Party» einen Brand in den USA auslöst. Bereits im April 2017 frass sich ein Feuer über 180 Quadratkilometer durch Arizona. In diesem Fall war es die selbstgebastelte Installation des zukünftigen Vaters, die statt farbiges Pulver auszuspucken bei der Zündung explodierte.

Pinkes Wasser fällt vom Himmel 

Es gibt unzählige Möglichkeiten, was an einer solchen Feierlichkeit falsch laufen kann. Und damit meine ich nicht lustig-falsch, wie man in zahlreichen Videos auf Youtube beobachten kann. Im Bundesstaat Iowa wurde vor rund einem Jahr eine Frau von einem Metallsplitter eines – ebenfalls selbstgebastelten – Sprengsatzes getroffen und tödlich verletzt.

In Texas stürzte im letzten Herbst ein Flugzeug ab, da es kurz zuvor rund 1500 Liter pinkes Wasser vom Himmel regnen liess. Ausgelöst durch diesen Gewichtsverlust verlor der Pilot die Kontrolle über das Flugzeug, worauf dieses zu Boden krachte und sich überschlug.

Als Erfinderin der «Gender Reveal Party» gilt Jenna Karvunidis aus Kalifornien. 2008 dekorierte sie einen Kuchen mit rosaroter Füllung, um an ihrer Babyparty ihrer Familie mitzuteilen, dass sie ein Mädchen erwartete. Und da Karvunidis einen Blog führt, schrieb sie über dieses Erlebnis. Der Rest ist Geschichte.  

Eine weitere Spinneridee im grossen Land der Freiheit? Weit gefehlt. Der irre Trend hat es bereits um den ganzen Globus geschafft. In Australien entzündete sich ein Auto bei einem «Burnout»-Manöver, das für blauen Rauch sorgen sollte, und explodierte.

Wie lange geht es wohl noch, bis dieser Trend auch hierzulande für Zerstörung sorgt? Wann schwimmen wohl die ersten Fische im pink gefärbten Aabach auf dem Rücken? Wann kracht der erste Autoposer in Dübendorf mit seinem Protzkarren ins Stadthaus, da er vor lauter pinkem Rauch nichts mehr sieht?

«Hört auf!»

Vorfreude auf Nachwuchs ist verständlich und wunderschön. Doch in Zeiten von Instagram, in denen für ein gutes Bild oder ein exklusives Video das eigene Leben – und nicht zuletzt das Leben des ungeborenen Kindes – aufs Spiel gesetzt wird, liegt der Fokus am falschen Ort. Ein Kuchen mit farbiger Buttercremefüllung für ein herziges Föteli? Absolut ok. Sprengstoff und Feuer für ein spektakuläres Video? Nicht ok. 

Auch Jenna Karvunidis hat sich mittlerweile ziemlich klar zum aktuellen Desaster in Kalifornien geäussert: «Hört auf, Dinge anzuzünden, nur um allen vom Penis eurer Kinder zu erzählen.» Im Gegensatz zu ihrer «Erfindung» wird diese Botschaft wohl leider kaum Anklang finden.

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