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Impfen - ein Akt der Solidarität

Impfen - ein Akt der Solidarität

Uhr
Beatrice
Zogg

Während ich diese Zeilen schreibe, ist das Corona-Virus nun definitiv in der Schweiz angelangt. Das neuartige Virus hält die Welt zur Zeit in Atem. Noch gibt es keinen Impfstoff, der gegen das Virus wirksam ist. Gemäss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werde es mindestens ein Jahr dauern, bis ein im grossen Massstab einsetzbarer Impfstoff gegen das neuartige Virus vorliege, welches die Atemwegserkrankung Covid-19 auslöst und  Todesopfer fordert.

Die Ausbreitung des Corona-virus macht deutlich, dass unsere moderne Gesellschaft trotz grossen wissenschaftlichen und medizinischen  Errungenschaften nicht vor grossen Epidemien und Pandemien geschützt ist. Die stetige Bewegung von Gütern und Menschen quer über den Planeten erhöht sogar das Risiko.

Umso unverständlicher ist es, dass Krankheiten, die eigentlich bereits ausgerottet sein könnten, in Europa wieder auf dem Vormarsch sind. An erster Stelle stehen hier die Masern. So war die Viruserkrankung zurückgedrängt, galt als besiegt – bis zu viele Menschen das Impfen vernachlässigten, wohl in Unkenntnis der Risiken, aus Angst vor möglichen Impfreaktionen oder aus ideologischen Gründen.


Masern sind keine harmlosen «Kinderkrankheiten», sondern können zu  schwersten Komplikationen führen – zu den gefürchtetsten gehören die Lungenentzündung oder eine Masern-Gehirnentzündung, die schwere Schäden des Nervensystems zur Folge haben und tödlich enden kann.

In Europa sind nach einer Bilanz der Welt­gesund­heits­organi­sation 2018 35 Menschen an Masern gestorben. Mehr als 21 000 hätten sich mit dem Virus angesteckt, etwa viermal so viele wie im Jahr zuvor. Auch in der Schweiz sind die Masern auf dem Vormarsch. So wurden von Anfang Januar bis zum 8. Oktober 2019 in der Schweiz 212 Fälle von Masern verzeichnet, sechsmal so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres (35 Fälle). Dabei sind zwei Menschen an der Krankheit gestorben, ein zuvor gesunder, ungeimpfter jüngerer Erwachsener sowie ein älterer Mann, der wegen eines Krebsleidens immunsupprimiert war und an einer durch die Masern aus-gelösten Lungenentzündung starb. 

Wenn eine Bevölkerung massenhaft gegen den Erreger einer ansteckenden Krankheit geimpft ist, profitiert sie von einer Herdenimmunität: Selbst wenn eine Person infiziert ist, kann die Ansteckung sich nicht ausbreiten, weil ihr Umfeld bereits immunisiert ist. Dadurch sind auch Personen geschützt, die nicht geimpft werden können – insbesondere Neugeborene, Menschen, denen im Fall der Masern-Impfung erst eine Impfdosis verabreicht wurde, oder mit geschwächter Immunabwehr. Bei Masern müssten mindestens 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sein, 
damit die Krankheit als ausgerottet gilt. 

Impfen ist also nicht nur eine persönliche Entscheidung, sondern auch ein Akt der Solidarität für die Gemeinschaft, in der immer auch Personen leben, die besonders anfällig für eine Krankheit wie die Masern sind. Eine Krankheit, die eigentlich bereits eliminiert sein könnte.

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