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Verloren im Game-Dschungel

Verloren im Game-Dschungel

Uhr
Thomas
Bacher

Das Online-Game Fortnite ist das derzeit wohl beliebteste Spiel weltweit. Und es ist ein gutes Beispiel dafür, was in Bezug auf den Jugendschutz alles falsch läuft. In Fortnite springt der Spieler mit 99 anderen ­Gamern über einer Insel ab.

Wer am Ende übrig bleibt, hat gewonnen. Das Spiel ist alles andere als bierernst. Die Grafik ist im Comicstil gehalten, man kann ein lustiges Tänzchen hinlegen oder im putzigen Hasenkostüm durch die Gegend hüpfen. Und dennoch: Man knallt sich gegenseitig ab.

Ist das nun knuffig oder brutal? Erlauben oder verbieten? Die Angabe eines Mindestalters würde helfen. Doch das ist so eine Sache. Zwar hat sich die Branche in der Schweiz darauf geeinigt, die vom Verband Pan European Game Information (Pegi) vorgegebenen Richt­linien anzuwenden.

Äh, was gilt denn jetzt?

Doch aufgrund der Vertriebswege ist auf den Spielen im Handel oft auch das deutsche USK-Label aufgedruckt. Und diese beiden Kennzeichnungen nennen gerne mal ein anderes Mindestalter, der Unterschied beträgt je nach Spiel bis zu zwölf Jahre. Und auch die Anbieter mischen mit. Im Fall von Fortnite variierte das Mindestalter anfänglich je nach Spielkonsole zwischen 12 und 16 Jahren, der Hersteller empfiehlt es ab 13 Jahren.

Noch schwieriger wird es bei Online-Spielen. Hier gelten entweder keine verbindlichen Richtlinien für eine Kennzeichnung oder sie lassen sich – gerade bei internationalen Plattformen – kaum durchsetzen. Auf der führenden Spieleplattform Steam etwa gibt es für die Mehrzahl der Spiele keine Altersempfehlung.

Macht es wirklich einen Unterschied, wenn das herumspritzende Blut nicht rot, sondern grün ist?

Der Ball liegt also bei den Eltern, und das ist grundsätzlich auch gar nicht falsch, schliesslich tragen sie die Verantwortung. Das hilft aber noch lange nicht bei der Frage, welche Games man seinem Kind erlauben soll. Und die Sachlage ist komplex. Ist die Ego-Perspek­tive bei Spielen tatsächlich so schlimm? Macht es wirklich einen Unterschied, wenn das herumspritzende Blut nicht rot, sondern grün ist? Und gelten mildernde Umstände, wenn der Gegner statt mit Gewehr­kugeln mit Maiskolben-Salven niedergemäht wird?

Hilfe für Eltern gibt es etwa bei der Fachstelle Spieleratgeber Nordrhein-Westfalen, die für Games eine pädagogische Einordnung ­anbietet. Allerdings ist das empfohlene Mindestalter oft dermassen weit von der Lebensrealität gamender Kinder entfernt, dass es fast schon grotesk wirkt.

Ein zahnloser Tiger

Also doch mehr staatliche ­Kontrolle? Tatsächlich will der Bundesrat Minderjährige künftig besser vor ungeeigneten Medieninhalten schützen. Der Entwurf für ein entsprechendes Bundesgesetz wurde in der Vernehmlassung allerdings als zu kompliziert und gleichzeitig als lückenhaft kritisiert. Und schon jetzt ist klar: Angesichts der zunehmenden Verlagerung ins Internet wird das Gesetz ein zahnloser Tiger sein.

Eltern können sich damit trösten, dass sich die Experten immerhin in einem Punkt weitestgehend einig sind: Selbst wenn Jugendliche täglich stundenlang in Computerspielen rumballern, heisst das nicht, dass sie auch im realen Leben zu Amok­läufern werden. Und das ist doch schon mal was.

 

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