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Ich mache mir Sorgen, Deutschland!

Ich mache mir Sorgen, Deutschland!

Uhr
Frank
Hubrath

Ich habe Angst. Angst vor dieser Partei, die sich seit Jahren vor allem in Deutschlands Osten breitgemacht hat. Die AfD (Alternative für Deutschland) ist seit Sonntag noch stärker. Sie ist auf dem Weg, Ostdeutschlands neue Volkspartei zu werden.

Noch sind die Amtsinhaber in Sachsen und Brandenburg mit einem blauen Auge davon­gekommen. Aber jedem dürfte klar sein, dass die AfD regieren will. «Die AfD ist gekommen, um zu bleiben», sagte Andreas Kalbitz, AfD-Landesvorsitzender Brandenburgs. Bei den Worten des Mannes, der zur völkischen AfD-Gruppierung «Der Flügel» um Björn Höcke gehört und bei der rechtsextremen «Heimattreuen Deutschen Jugend» aktiv war, lief es mir eiskalt den Rücken herunter.

Über 30 Jahre lebe ich, ein gebürtiger Kölner, in der Schweiz. Aufgewachsen bin ich in einer Familie mit christdemokratischer Prägung in einer Millionenstadt, die jahrzehntelang eine SPD-Hochburg war. Doch bei den Hubraths aus Köln wählte man treu CDU. Typisch Mittelstand eben.

Meine sozialdemokratischen Gewerkschaftskollegen nannten mich augenzwinkernd den «schwarzen Frank». Damals, in den 1980er Jahren, hätte sich keiner von uns eine grosse ­Koalition aus SPD und CDU
vorstellen können. Wir Gewerkschafter stritten uns wie die Kesselflicker und tranken dennoch anschliessend ein paar Kölsch miteinander. Das empfand ich als gelebte Demokratie mit gesunder Streitkultur.

Heute blicke ich mit Angst auf den politischen Dialog, der in meinem Heimatland geführt wird. Die AfD ist im Visier des Verfassungsschutzes. Ihre Scharfmacher gehen erfolgreich auf Stimmenfang. Doch «rechtsradikal» will niemand sein. Mit diesem Etikett holt man keine Wahlsiege. So hat die AfD ihre eigene Sprache kreiert, um nach der Macht zu greifen. Sie will als bürgerliche Volkspartei wahr­genommen werden. Und zwar nicht als eine, sondern die bürgerliche Volkspartei.

Was kommt nach der grossen Koalition, die bei den AfD-Wählern längst nicht mehr durchdringt? Anstatt den Grünen nachzueifern, sollten sich CDU und SPD um die Wähler der AfD Gedanken machen. Die Wahl­resultate vom Sonntag machen mir Angst. Wie schon in Polen, Tschechien und Ungarn hat nun auch in Ostdeutschland ein Rechtsruck stattgefunden.

Mit ihren Wahlerfolgen heizt die AfD das politische Klima weiter an. Der Tonfall gegenüber Asylsuchenden und Migranten wird schärfer. Längst haben die Rechtspopulisten auch die Kulturpolitik entdeckt und sprechen von «deutscher Leitkultur». In den Theatern, Opernhäusern und Museen wittern sie linke Einflüsse. Diese Partei flösst mir Angst ein.

Ich mache mir Sorgen, Deutschland!

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Dies ist wohl die schwerste Entgleisung einer linken Schweizer Presse. Ein Deutscher wohnhaft in der Schweiz betitelt seine Landsleute in Deutschland als blöd und gefährlich weil sie AfD wählten. Bin Deutsche aus Angersdorf bei Halle auch wohnhaft in der Schweiz und weiss warum so viele Menschen hier AfD wählen.

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