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Ein Fest der Männer?

Ein Fest der Männer?

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Ueli Maurer in Uster
Photographer: Nicolas Zonvi.
Mirja
Keller

32 Feste, 31 Reden, 4 davon von Frauen. Dies sind die Zahlen zu den diesjährigen 1. August-Feiern im Zürcher Oberland. Keine sehr ausgewogene Bilanz, wenn man bedenkt, dass vor noch nicht einmal zwei Monaten rund um den nationalen Frauenstreiktag hitzige Debatten über die Gleichstellung der Geschlechter geführt wurden. 

Eine Übersicht der diesjährigen Nationalfeierlichkeiten zeigt: Die Reden der 11 Gemeinden im Bezirk Hinwil sind komplett in Männerhand. Auch im Bezirk Pfäffikon sieht es nicht besser aus. Alt-Gemeinderätin Mäges Berlinger wird die einzige Frau sein, die an diesem Tag am Rednerpult vorne steht. Der Bezirk Uster glänzt in dieser Hinsicht mit einem Frauenanteil von immerhin beinahe 30 Prozent. 

Auf die Frage, wie sie sich diese Männerdominanz erkläre, antwortete Andrea Gisler, Gossauer Kantonsrätin (GLP) und Vorstandsmitglied des Frauendachverbands Alliance F, es könne nicht an der Verfügbarkeit der Frauen liegen: «Rednerinnen gäbe es sicher genügend.» Sie selbst hat letztes Jahr in Seegräben gesprochen. Ihre Rede fand indes kein Medienecho. Eingang fanden dafür einmal mehr die Ansprachen der sogenannten «Publikumsmagneten» Roger Köppel und Christoph Blocher (beide SVP). Auch wer die Rednerliste der letzen Jahre aufmerksam betrachtet, dem fällt eine klare Tendenz auf: Der typische Nationaltag-Redner im Oberland ist männlich und Politiker. 

Man ist zunächst versucht, das Problem bei den Organisatoren zu verorten. Doch diese wechseln in vielen Gemeinden jährlich. In Rüti etwa sind es die Parteien, die abwechslungsweise mit der Auswahl der Redner beauftragt werden. In Illnau-Effretikon sind im Turnus die Vereine für die Austragung zuständig.
Auch in Wetzikon, wo die Nationalfeier von der Stadt mitorganisiert wird, bleibt der Frauenanteil über die Jahre gesehen verschwindend klein: Zuletzt sprach mit Babina Caviezel Bhend (FDP) 2003 eine Frau. Auf Bhend folgten 16 Männer. 

Um etwas an der Männerdominanz zu ändern, darf die Auswahl der Redner an diesem nationalen Feiertag nicht im Kleinen und nicht im Einzeln geklärt werden. Es ist eine gesellschaftliche und eine politische Frage. Und genau deshalb sollte sie auch unabhängig von den Organisatoren, die teils jährlich wechseln, stets mitberücksichtigt werden. Das Zürcher Oberland hat bei den diesjährigen Festreden eine Frauenquote von 12,9 Prozent. Diese Zahl ist des Jahres 2019 nicht würdig. Es ist an uns allen, diesen Umstand nicht zur zu kommentieren, sondern auch ändern zu wollen. Schliesslich feiern wir am 1. August eine Nation, welche die Gleichstellung seit 1981 in seiner Verfassung verankert hat. An Bundesfeiern eine bestimmte Bevölkerungsgruppe zu bevorzugen, entspricht nicht dem Bild, das sich die Schweizer gerne von ihrem sogenannt progressiven Land machen.

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Autsch. Spielt es wirklich eine Rolle ob die Redner einen Penis oder eine Vagina haben? Zumal kommt es doch auf den Inhalt draufan. Zudem sind zwei drittel der Politiker in genannten Regionen männlich. Die logische Schlussfolgerung daraus ist, dass die Redner auch mehrheitlich Männer sind. Ihr solltet euch wirklich vermehrt wieder um echten Journalismus kümmern anstatt populistische Artiklel rauszuhauen. Echt schwach züriost.

@Huber, "echter" Journalismus erfordert auch Idealismus, Ehrgeiz und Mut, verlangen sie nicht zu viel von diesen jungen Schreibern, von denen einige sich am liebsten mit Blogs, die jetzt gar nichts mit Journalismus zu tun haben, selbst beweinen! Populistische Parteien haben nur dank einfältigem Journalismus eine immer grössere Macht!

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