×

Von Köppels und Glättlis

Von Köppels und Glättlis

Uhr
Köppel im Gasthaus zur Tanne in Bauma
Annette
Saloma

Kürzlich war ich beruflich an einem Auftritt von Ständeratskandidat Roger Köppel (SVP), der in seinem Wahlkampf in allen Gemeinden des Kantons Zürich auftritt. An besagtem Sonntag – dem Muttertag – war der dreifache Vater Köppel in Bauma zu Gast.

Im Saal anwesend: Leute, die gleicher Meinung sind wie Roger Köppel, ihm zujubelten, ihn beklatschten und dann am lautesten lachten, wenn er sich über linke Politiker wie Cédric Wermuth (SP) oder Balthasar Glättli (Grüne) lustig machte.

Gefangen im Echoraum

Das Ganze erinnerte mich an Echoräume. Räume, in denen sich gleichgesinnte Personen in Meinungen bestärken, die sie ohnehin schon haben. Wo man sich auf die Schulter klopft und die anderen, ausserhalb des Raumes, lächerlich macht. Wo Kritik, Widerspruch und Gegenargumente nicht eindringen.

Denn die anderen sie waren natürlich nicht gekommen. Warum auch? Auch sie sind in ihrem Echoraum. Sie haben sich ihre Meinung über Köppel schon längst gebildet und auch keine Lust, diese im persönlichen Kontakt zu diskutieren und vielleicht sogar teilweise zu revidieren. Ich finde das schade.

Beschimpfungen weit unter der Gürtellinie

Die Lust an der Diskussion, der friedlichen Konfrontation, ist, so kommt es mir vor, verlorengegangen. Wir diskutieren nicht miteinander, hören einander nicht zu, versuchen auch nicht, uns in unser Gegenüber hineinzuversetzen, um seine Position zu verstehen.

Wir hauen nur noch drauf. Verschärft wurde dieses Verhalten unter anderem durch Social Media und die Möglichkeit, unter jedem Onlineartikel seinen Senf dazuzugeben.

Beleidigungen und persönliche Angriffe, fernab von jeder Sachlichkeit oder Respekt, sind dort an der Tagesordnung. Ins Gesicht würde man das, was man dort schreibt, nie jemandem sagen. Aber versteckt hinter einem Facebook- oder Instagramaccount gehen Beschimpfungen weit unter der Gürtellinie leicht über die Tasten.

Ausbruch aus der Komfortzone

So verhärten sich Fronten, tun sich tiefe Gräben auf  – auch im realen Leben. Es bilden sich Gruppen, die gegen irgendetwas sind, ohne sich je richtig damit auseinandergesetzt zu haben und ohne jemanden persönlich zu kennen, der für die kritisierte Haltung einsteht. So wie bekannterweise dort die Menschen am fremdenfeindlichsten sind, wo am wenigsten Ausländer leben.

Für ein friedliches und konstruktives Zusammenleben braucht es Menschen, die aus ihrer Komfortzone oder ihrem Echoraum ausbrechen, die vorbehaltlos aufeinander zugehen und statt mit persönlich Angriffen mit sachlichen Argumenten diskutieren.

Auch wenn uns diese nicht immer passen, auch wenn sie unserer eigenen Meinung widersprechen. Aber davon lebt eine demokratische Gesellschaft unter anderem: Von ihrer Meinungsvielfalt. Von Roger Köppels und Balthasar Glättlis.

Kommentar schreiben

Kommentar senden

Geschätzte Frau Saloma
Sie schreiben in Ihrem Bericht in fünf Abschnitten über eine Zusammenkunft von Gleichgesinnten in Bezug zu Herrn Köppel. Ich weiss nicht woher Sie stammen . Ich aus Bauma. Ich darf Ihnen bestätigen, es waren sicherlich nicht alle Anwesenden im Grundsatz gleicher Meinung mit Herrn Köppel. Im Thema jedoch währe es sehr schwierig gewesen, ihm zu widersprechen. Über die Thematik ist in Ihrem Artikel nichts zu lesen. Sie schreiben von Echoräumen usw. , schreiben nachher, man höre sich nicht mehr zu. Ich hatte am Muttertag das Gefühl, der ganze Saal hörte sehr aufmerksam zu. Leider verleitet Ihr Artikel weder zum diskutieren noch zum nachdenken. Sie produzieren damit lediglich eine weitere Kerbe und geben eine super Plattform „den Senf auf einer Onlineplattform zugeben“.
Dies so sachlich wie möglich zu Ihrem Artikel.

Alle Kommentare anzeigen