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Greta, du nervst

Greta, du nervst

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Greta Thunberg ist aktuell überall in den Medien. Es reicht. (Foto: Keystone)
Malte
Aeberli

13,1 Millionen Treffer. So viele Resultate zeigt die Internet-Suchmaschine Google an, wenn man den Namen Greta Thunberg eingibt. Der Hinwiler Bundespräsident Ueli Maurer bringt es auf knapp eine Million. Besonders bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass Greta die Weltbühne vor weniger als zwölf Monaten betreten hat. Allein übers Wochenende sind eine Million Treffer hinzugekommen.

Greta ist überall. Greta nervt. Ich kann sie nicht mehr sehen. Sie blickt mir am Sonntagmorgen vorwurfsvoll und grimmig von der Zeitungsfront entgegen, während ich mein Gipfeli esse. Die «Süddeutsche» schreibt ein einfühlsames Porträt, die «Weltwoche» zerreisst sie in der Luft. Greta ist ein Rockstar.

«Oh, meine Greta. Danke, dass du uns ins Gesicht spuckst.»

Facebook-Nutzerin

Als Journalist muss ich zugeben: Greta hat alles, was es für eine gute Geschichte braucht. Ihre berühmten Eltern leben auf grossem Fuss, fliegen um die Welt. Der ökologische Fussabdruck ist immens. Greta wird das Asperger-Syndrom diagnostiziert, eine Form des Autismus.

Eine gute Geschichte

Die 16-Jährige verfällt in eine veritable Depression, bekommt Essstörungen. Sie sieht das Ende des Planeten kommen. Liest alles über den Klimawandel. Ihre Eltern wissen weder ein noch aus. Bis sie anfangen, auf ihr Kind zu hören.

Sie verzichten aufs Fliegen, ernähren sich vegan. Greta beginnt zu streiken, fürs Klima. Für ihre Mission. Sie isst wieder, sie lacht, sie tritt vor die Mächtigen der Welt und tritt ihnen verbal in den Hintern.

Das Kind hat «Arsch in der Hose». Und die Welt hört ihm zu. Sogar Gretas Gegner bewundern ihren Schneid. Selbst viele der Kritisierten bejubeln sie. Eine Followerin schrieb auf Facebook: «Oh, meine Greta. Danke, dass du uns ins Gesicht spuckst.» Die Klima-Bewegung hat ihre Anführerin gefunden.

Mit Gretas Massnahmen mithalten können wohl nur die wenigsten und ja, das nervt und ist unbequem.

Wir Journalisten neigen dazu, auf die Person zu fokussieren, weil sich die Geschichte dann besser erzählen und damit auch besser verkaufen lässt. Menschen interessieren sich eher für Menschen statt für trockene Fakten. Und für das schwierige Thema kam die kleine Greta mit ihrem ernsten Gesichtsausdruck und ihrer unerbittlichen Sachlichkeit gerade Recht.

Emotionen statt Fakten

Trotz der guten Geschichte ärgert es mich, mit welch hysterischer Begeisterung und teilweise missionarischem Eifer wir Journalisten über diese 16-Jährige berichten. Damit tun wir ihr und uns keinen Gefallen. Denn: Wir reden über Greta statt übers Klima.

«Alles, was ich sage, ist: Hört endlich den Wissenschaftlern zu!»

Greta Thunberg, Klima-Aktivistin und «Rockstar»

Moralisch vorbildlich handelnde Menschen wie Greta führen den anderen ihre eigenen Versäumnisse vor Augen. Mit Gretas Massnahmen mithalten können wohl nur die wenigsten und ja, das nervt und ist unbequem. Aber: Wichtiger als unser individuelles Handeln ist eine Kursänderung der Politik. An der Urne haben die Wähler die Richtung vorgegeben.

Jetzt ist das Thema auf der politischen Agenda angekommen, die Politiker sind zum Handeln gezwungen. Für uns Journalisten ist es Zeit, wieder mehr über die Sache statt über die Person zu berichten. Denn so drückt es Greta selbst aus: «Alles, was ich sage, ist: Hört endlich den Wissenschaftlern zu!» Wir Journalisten täten gut daran, genau das zu machen.

 

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Greta bewegt etwas und all die Lügen die über sie erzählt werden, sind nur von Personen, die selber nix bewegen und faul umsitzen und rummeckern...
Dass die Anti-Umwelt-Partei SVP gegen Greta schreibt und schreit wundert dann gar niemanden mehr....
Leider kennen die meisten die Fakten überhaupt nicht, denn mit den wahren Umwelt-Zahlen würde man sofort aufhören die Erde zu zerstören!

Super Greta, mach weiter so, es haben nur sehr wenige ein hohes Bewusstsein wie du.
Viele können damit nicvt umgehen, wwil sie in ihrem alten trott Leben möchten!
Es ist gut, die Zeiten müssen sich ändern.
Bin sehr stolz auf dich liebe Greta. Liebe Umarmung 🤗

Ich lese täglich von Roger Federer. Täglich. Und das seit Jahren, lieber Journalist. Greta bewegt etwas. Etwas sehr sehr Wichtiges. Roger Federer beweht einen Tennisball und sich. Ja, er macht Gutes. Aber mit diesen Millionen zu wenig.....

Was genau bewegt Greta???
Außer Kinder zum Schuleschwänzen anzustiften passiert ja wohl gaaar nix...
Denn man kann weder die Umwelt noch Energieausstieg mit ein bisschen gelaber von heute auf morgen beeinflussen.
Alle die der göttlichen Greta hinterher springen, haben doch auch keine Hemmungen ihre Sommerferien in Miami, Mallorca etc zu verbringen.. DOPPELMORAL UND NAIVITÄT

Also Herr Aeberli lasst Taten folgen ihr Journalisten und zeigt was ihr in euren Hosen habt!
Nach dem UNO Klimabericht der gestern 06.05.2019 veröffentlicht wurde ist das Themenfeld mehr als offen.

Besten Dank

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