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«Ä» oder «E»

Uhr
Symbolfoto Pixabay
Philipp
Gämperli

Vor kurzem in der Redaktion des «Glattalers» spielte sich folgende Szene ab: Der junge Redaktor sass auf seinem Stuhl. Zu seiner rechten der besonnene alt-Glarner, zu seiner linken der Ur-Dübendorfer. Naja, so wie halt jeden Tag, ausser die beiden müssen wieder mal Überstunden abbauen.

Wir sprachen über unsere Vielfalt, oder wie man vor der Zeit der politischen Korrektheit sagte, die Unterschiede. Der Glarner und Dübendorfer vereinten sich gegen den Ostschweizer. Obwohl ich den validen Punkt einbrachte, dass Glarus eigentlich auch zur Ostschweiz gehört, wollte das Duo davon nichts hören.

«Nein, du musst wissen», sagte der Dübendorfer, «er gehört aus unserer Sicht sozusagen zu den Bergbauern». Ostschweizer sind diejenigen, die einfach komisch sprechen und deshalb geächtet werden müssen. Ich soll doch mal den Namen «Brändli» sagen, forderte das Tandem.

Immer wieder sagte abwechselnd ich und sie den Namen: «Brendli», «Brändli», «Brendli» «Brändli», … die beiden kippten vor Lachen fast vom Stuhl. «Er hört es nicht», sagte der Dübendorfer zum Glarner. Ich sah nicht ein, was ich denn falsch mache.

Schon beim «R» fange es an. Es müsse ein gerolltes sein und nicht so ein im Hals steckengebliebenes. Ich versuchte immer wieder den Namen gemäss Anleitung richtig auszusprechen – was erneut für Gelächter sorgte.

Das Schlimmste, sagte der Dienstälteste, sei jedoch das «Ä». Ich sage «Brendli». Das sei lächerlich. Etwa so, wie wenn ein Zürcher den Ostschweizer-Dialekt nachmacht, dachte ich mir.

In meinem Stolz verletzt, holte ich zum Gegenschlag aus. Ich nahm Kontakt zu einer emigrierten Ostschweizerin auf, die in der Oberen Mühle einen Auftritt hat. Ihr wollte ich mein Leid klagen und sie zu einer Verbündeten machen. Gar einen Artikel über die Ostschweizer-Elite wollte ich verfassen. Doch leider trat sie nicht auf mein Angebot ein – vorerst.

So geht meine Suche nach Verbündeten weiter. Bis dann «kempfe» ich alleine.

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