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Zeig dein Bändeli!

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Thomas
Bacher

In Zeiten von Covid-Zertifikaten und farbigen Armbändeli für die Unterscheidung von Geimpften und Ungeimpften an Festivals oder in Hotels ziehen Corona-Skeptiker ja gerne den Vergleich mit dem Judenstern im Dritten Reich heran. Völlig zurecht, finde ich. Schliesslich werden ungeimpfte Menschen heutzutage ebenfalls in Konzentrationslager deportiert, wo sie zusehen müssen, wie Familienmitglieder erschossen oder zu Tode geprügelt werden. Sie müssen in stinkenden Bretterbuden vor sich hin vegetieren, werden gedemütigt, gefoltert, müssen schuften bis zum Umfallen. Und wenn sie dann zu nichts mehr zu gebrauchen sind, werden sie in die Gaskammer gesteckt und danach im Ofen industriell entsorgt.

Was? Werden sie nicht?! Na dann ist dieser Vergleich vielleicht doch nicht so wahnsinnig intelligent.

Was mich neben der Verharmlosung der Verbrechen der Nationalsozialisten auch noch nervt, ist, dass gleichzeitig diese farbigen Armbändeli verunglimpft werden, die uns in der aktuellen Epoche der Diversifizierung doch wertvolle Dienste leisten würden. Mit einer entsprechenden Farbgebung könnten Veganer sich zum Beispiel als Veganer kennzeichnen und müssten dann nicht immer gleich zu Beginn des Gesprächs erwähnen, dass sie Veganer sind.

Oder man könnte mit einem einfachen Farbcode die sexuelle Orientierung öffentlich machen und so dem Gegenüber womöglich peinliche Anmachversuche ersparen. Oder die politische Gesinnung. Dadurch würde etwa eine Bürgerliche davor geschützt, sich im Zug am falschen Ort hinzusetzen und dann dieselbe Luft atmen zu müssen wie der Typ, der für die 99-%-Initiative gestimmt hat.

Sinnvoll wären auch Hinweise auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten und den Musikgeschmack, da schliesst man gleich viel leichter Freundschaften: «Was, du bist auch pansexuell, magst Progressive-Black-Metal, wählst Grünliberal und bekommst einen fiesen Ausschlag von Gummibärchen? Dann lass uns ein veganes Bier trinken gehen.»

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