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Demeter-Taliban

Uhr
Thomas
Bacher

Waren es diese Salatgurken, die die Zeitenwende ankündigten? Vor wenigen Tagen räkelten sie sich in der Auslage des Lebensmittelhändlers meines Vertrauens. Es gab keine konventionell angebauten und pestizidverseuchten Gurken, keine Bio-Gurken, nur Demeter. Demeter! Demeter? Wenn Bio der grantige islamische Fundi von nebenan ist, dann ist Demeter der blutrünstige Taliban. War das der Beginn der Machtübernahme durch extrem nachhaltiges Gemüse, das alles andere verdrängt und einen kleinen Mann wie mich mit seinem exorbitanten Preis in die Knie zwingt?

Meine erste Begegnung mit Demeter hatte ich vor viereinhalb Jahren. Es war in einem Slowfood-Restaurant, wo zu 100 Prozent demetrig gekocht wurde. Es war schrecklich. Bevor die Dame des Hauses die Teller auf den Tisch stellte, zählte sie die Anbaumethode des Begleitgemüses auf, überraschte uns mit einer – schwer verdaulichen, wie sich später herausstellte – Getreide-Ursorte als Sättigungsbeilage und nannte uns den Namen der zu Tode gestreichelten Kuh, aus deren Kadaver das Stück Fleisch geschnitten worden war, das auf unseren Tellern lag. Die Kuh hiess Blüemli, kein Scherz, hatte einen tadellosen Stammbaum und ihre Hobbys waren Gras fressen, rumstehen und kucken. Dass die Kuh damit schon fast zu meinem Bekanntenkreis gehörte, hinterliess irgendwie einen fahlen Beigeschmack. Und vor allem wurde durch das viele Gelabere das Essen kalt.

Das Dessert bestand aus sechs verschiedenen Klecksen Fruchtgelee-Gomfi-Kompott, hergestellt aus alten, ursprünglichen Obstsorten mit bizarren Namen, über Holzfeuer gekocht, mit viel Liebe im Kupferkessel zum perfekten Gelierpunkt gerührt. Als die Rechnung kam, hätte ich gerne über Preiskalkulation, Marge und die Strafe für Wucher diskutiert, aber nach dem Abend fehlte mir schlicht die Kraft dazu.

Nun, Demeter ist natürlich super und wird vielleicht irgendwann einmal die Welt retten, aber ich persönlich bin einfach noch nicht so weit.

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