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Her mit euren Klima-Abgaben!

Uhr
Thomas
Bacher

Die Migros hat ein Bewertungssystem für Klimaemissionen eingeführt. Ist es fertig ausgebaut, wird man erkennen können, ob es klimaschädlicher ist, a) einen einheimischen Bio-Apfel zu verspeisen oder b) ein vergleichbar grosses Stück von einer toten argentinischen Kuh zu essen.

Eine tolle Idee, aber natürlich mal wieder halbgar umgesetzt. Wäre ich die Migros, ich würde an der Kasse knallhart die Kompensation eintreiben. Aha, 200g Lachs, 6 Eier, 500g Spaghetti, 1 Liter Milch und zwei Bananen, macht 75 Rappen Klimaabgabe (soziale Kohlenstoffkosten für 3,68 Kilo CO₂ gemäss deutschem Umweltbundesamt).

Weil ich nicht länger als Klimasünder leben will, führe ich dieses System nun selber ein. Von jetzt an ist alles gebührenpflichtig, was mich davon abhält, im Energiesparmodus auf dem Sofa zu liegen und an die Decke zu starren, was einem täglichen Verbrauch von 2200 Kalorien entspricht. Die Herstellung, Verpackung und der Transport der Nahrung für jede weitere Kalorie verursacht rund 20 Gramm CO₂, also Kohlenstoffkosten von 0,02 Rappen.

Es spricht also einiges dafür, das Ganze zugunsten des Klimas möglichst schnell und passiv hinter sich zu bringen.

Wir rechnen: Eine typische männliche Tätigkeit wie «eben mal schnell den Müll rausbringen» schlägt mit 0,6 Rappen zu Buche, anstelle der Frau die leeren Bierflaschen vom Abend zuvor selber wegräumen mit 1,35 Rappen, zehn Minuten Staubsaugen und dabei den meisten Dreck übersehen mit genau einem Rappen. Bezahlt wird in bar.

Beim Sex muss man ein wenig differenzieren, zehn Minuten oben kosten 1,15 Rappen, unten 0,7 Rappen, seitlich respektive in wechselnden Positionen 0,95 Rappen. Es spricht also einiges dafür, das Ganze zugunsten des Klimas möglichst schnell und passiv hinter sich zu bringen und danach bloss nicht zu duschen, denn das kostet 1,2 Rappen extra.

Die Gelder aus der CO₂-Kompensation werden zielgerichtet und ohne Abzug von Verwaltungskosten eingesetzt, versprochen: Ende Jahr fliege ich nach Uganda und pflanze dort einen Mangobaum. So macht man das!

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