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Wenn der Computer das Blumenmuster ignoriert

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Nicht alle digitalen Analphabeten verzweifeln vor dem Computer. Einige haben aber auch einfach Glück. (Foto: Pixabay)
Tanja
Hudec

Wer mit dem Internet aufgewachsen ist, vergisst manchmal, wie es jenen Menschen ergeht, die den Computer erst im Erwachsenenalter kennen lernten. Unvorstellbar, auf welche absurden Ideen so ein digitaler Analphabet kommen kann. Meine Mutter etwa, 74 Jahre alt, wollte sich kürzlich E-Banking auf ihrem Computer einrichten. Bewundernswerterweise entschied sie sich, dies ohne fremde Hilfe zu tun. Ein mutiges Unterfangen, bedenkt man, dass sie bis heute nicht weiss, wie man ein Bild per Mail verschickt.

Von ihrer Bank bekam sie ein Dokument mit einem aufgedruckten «viereckigen Blümchenmuster» zugesandt, wie sie den QR-Code bezeichnete. Die Anweisungen auf dem Computer sagten ihr, sie müsse dieses Quadrat «irgendwo einscannen». Was tat meine Mutter also? Sie hielt das Blatt Papier mit der bedruckten Seite vor den Bildschirm und wartete bis dieser den Code liest. Zu ihrem Erstaunen passierte nichts dergleichen. Also hielt sie das Papier ans Display ihres Handy, das jedoch auch nicht auf die geblümte Fläche reagierte.

Nachdem sie beide Geräte mit allen Fluchwörtern eingedeckt hatte, die ihr Vokabular hergab, entschied sie sich, ein Foto der «blöden Blümchen» zu machen, um den «Idioten von der Bank» zu zeigen, dass ihr System nicht funktionierte – und siehe da: Das Smartphone scannte den QR-Code und spukte weitere Anweisungen aus, wie sie auf dem Computer vorzufahren hatte. Nach sechseinhalb Stunden hatte sich meine Mutter einen E-Banking-Account installiert und begleicht seither ihre Einzahlungen auf digitalem Weg.

Nun fühlt sie sich ihren Peers gegenüber so überlegen, dass sie ihre sechs Jahre ältere Freundin auslacht, als diese von ihrem «gewaschenen Geld» erzählt. «Ich dachte zuerst, sie spreche von Schwarzgeld», so meine Mutter hämisch. Tatsächlich besitzt diese Bekannte aber keine Kreditkarte und wäscht aus Angst vor Corona vor Gebrauch jede Geldnote in der Waschmaschine. Meine Mutter befand: «Die könnte also auch mehr mit der Zeit gehen.«

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