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Kinderfragen

Uhr
(Foto: congerdesign/pixabay)
David
Marti

(Foto: congerdesign/pixabay)

Bei uns in der Nachbarschaft ist immer Kindergeschrei. Hin und wieder schaue ich in den Hof, um zu sehen, was mein eigener Nachwuchs denn so treibt. Ich habe aber vergessen, wie die Sprösslinge aussehen. Weil Kinder wie Afroamerikaner, Asiaten und Senioren alle gleich aussehen, suche ich nach Fotos, auf denen meine Kinder abgebildet sind.

Nachdem ich 290 Bilder durchgesehen habe, merke ich, dass ich gar keine Kinder habe. Dafür musste ich mindestens drei Katzen und ein Restaurant haben. Zumindest wenn man den zahlreichen Abbildungen dieser Sujets Glauben schenkt.

Sicherheitshalber frage ich meine Freundin, ob sie etwas von Kindern wisse und wenn ja, wie viele? «Nein, unmöglich, kuck mich doch an, an mir klebt keine Kotze.» Ich unterlasse einen Kommentar zu ihren farbenfrohen Leggins, deren Muster wie Kotzflecken aussehen.

Betrübt mache ich mich ins Bürozimmer um die Kinder abzuschreiben. Als erstes streiche ich ein halbes Dutzend Söhne und ebenso viele Töchter aus meiner Steuererklärung. Adieu Kinderzulagen in Höhe eines vierwöchigen Hawaii-Urlaubs im Stile eines Oligarchen.

Wie konnte ich nur darauf kommen, dass ich Kinder habe. Vielleicht, weil so viel Paare um mich herum entsetzt sind, dass wir keine haben. «Wieso habt ihr keine?», fragt jeweils die Frau. Und der Mann leise: «Wollt ihr ein paar von meinen haben?». Und oft hören wir auch wie wichtig es sei, dass wir es beim Erreichen der Zeugungsunfähigkeit nicht bereuen, nie Eltern gewesen zu sein.

«Weiss ich ja nicht», denke ich mir. Die Zeugungsunfähigkeit wird erst dann eintreten wenn ich mich beim Überspringen eines Gartenzauns überschätze. Und wie kann ich das Nicht-Eltern-gewesen-sein bereuen, wenn ich es nie kennengelernt habe. Dann sollen Paare mit Kindern mir mal sagen, ob sie die Jahre mit der Brut oder die Goofen selber nicht irgendwann bereuen.

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