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Hey, so habe ich das nicht gemeint!

Uhr
Thomas
Bacher

Ich liebe die Woche nach grossen, schicksalsträchtigen Abstimmungen. Das Volk hat entschieden, nun geht es um die Frage, wie der Wählerwille zu werten ist. Weil man in der Regel nur «Ja» oder «Nein» hinschreiben kann, ist das natürlich nicht ganz einfach. Also interpretieren Interessengruppen und Analysten das Ergebnis, wie es ihnen grad passt.

Mal angenommen, ich hätte gegen die Kampfjets gestimmt, also rein theoretisch – dann habe ich das laut vieler Experten getan, weil ich nicht die Katze im Sack kaufen, sondern bei der Typenwahl mitreden will. Für die GSoA hingegen ist klar, dass ich die Armee abschaffen will. Dabei hätte ich – also rein theoretisch – dagegen gestimmt, weil ich nicht will, dass die Armee superneue Jets bekommt, während ich mich mit meiner alten Karre rumplagen muss. So einfach ist das.

Platz für Erklärungen

Auch wehre ich mich gegen die Behauptung der Grünen, dass mein Nein zum Jagdgesetz ein Ja zum Natur- und Artenschutz war. Ich will einzig und allein, dass der Wolf den Berglern die Schafe wegfrisst, weil ich weder Bergler noch Schafe mag. Und bei der Papizeit hab ich nur Ja gestimmt, weil ich die Fragestellung nicht verstanden habe. Nix da mit Gleichberechtigung und Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Was war noch? Ach ja, das Nein zur Begrenzungsinitiative: nicht für Europa, nicht für die Schweizer Wirtschaft, sondern weil ich auch in Zukunft einen steten Nachschub an Putzfrauen haben möchte, die für einen Hungerlohn meinen Dreck weg machen. So amüsant es auch ist: Langsam habe ich es satt, dass man meinen Willen immer falsch deutet.

Wieso also nicht in Zukunft auf dem Stimmzettel eine Linie frei lassen, damit das Stimmvolk seinen Entscheid begründen kann? Das wäre bei der Auszählung und der Auswertung zwar ein klitzekleines bisschen aufwendiger. Doch das sollte uns unsere direkte Demokratie schon wert sein.

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