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Mit dem Tennisball knutschen

Uhr
Laurin
Eicher

In Hollywood stehen die Kameras still, die Lichter sind seit drei Monaten gelöscht. Das hat Folgen für Streamingdienste und Kinos: Bald droht ein Filmloch. Für mich als Film- und Serienliebhaber ist das existenziell bedrohlich. Bin ich bald gezwungen, mir diesen Netflix-Serien-Hit über einen Tigerbändiger anzuschauen, der sich nur mit Drogen zugedröhnt in die Nähe der Raubtiere wagt?

Die Kinos haben zwar noch einige Blockbuster im Köcher. Wie den neuen James Bond Film, dessen Release auf Ende Jahr verschoben wurde. Die Streamingdienste müssen sich derweil etwas einfallen lassen. Ich tippe darauf, dass sie auf alte Klassiker wie «Citizen Kane» oder «Casablanca» setzen. Letzterer ist besonders bekannt für eine Kussszene, bei der sich das Paar allerdings schnell nach Berührung der Lippen von der Kamera abwendet.

Experten prophezeien, dass die riesige Hollywood-Maschinerie im August wieder hochgefahren wird. Doch auch die Traumfabrik wird nicht mehr dieselbe sein: Gewerkschaften und Studios haben Schutzkonzepte erarbeitet, die so viel Interpretationsspielraum bieten und kompliziert in der Anwendung sind, wie das amerikanische Recht. Und entsprechend diesem gilt dann auf dem Set: Wehe, es kommt jemand zu Schaden.

Deshalb tüfteln Filmemacher derzeit intensiv an alternativen Produktionsmethoden. So sollen etwa digital projizierte Hintergründe das Filmen an fernen Drehorten ersparen. Technisch möglich wäre auch, dass Darsteller sich – aus hygienischen Gründen – nicht mehr real küssen. Die Hauptdarstellerin müsste dann, statt mit ihrem maskulinen Gegenpart, mit einem gelben, haarigen Tennisball schmusen.

Auch wenn die Aufnahmetechnik dafür bereits etabliert ist: Ich möchte mir keine Filme anschauen, in dem eine echte Filmbeauty mit einem nachträglich eingefügten Frosch knutscht. Da ist sind mir die für heutige Verhältnisse etwas prüde Kussszenen aus «Casablanca» viel lieber.

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