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Im Homeoffice-Knast

Im Homeoffice-Knast

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Virus Outbreak Paraguay
Army soldiers wearing masks patrol Marshal Lopez avenue during a curfew put into effect to help slow down the spread of the new coronavirus, in Asuncion, Paraguay, Wednesday, March 18, 2020. For most people COVID-19 causes mild or moderate symptoms. For o
Lukas
Elser

Ganz ehrlich – ich habe mich in meinem Homeoffice ziemlich gemütlich eingerichtet. Ich kann in der Dreistreifen-Trainerhose arbeiten, die Frisur ist völlig egal und muss in der S-Bahn keine grimmigen Gesichter anschauen. Keine ewiggleichen Sandwiches, keine Schlangen vor dem Beck und endlich wieder richtigen Kaffee.

Natürlich ist das Homeoffice nicht mit einem Paradies zu verwechseln. Mein Koffeinpegel ist höher, da ich jede Viertelstunde bei meiner Barista-Maschine Halt mache. Und der Mutter meines Sohns zu erklären, dass es sich bei diesen Gängen zur Kaffeemaschine nicht um Päuschen handelt, sondern um notwendige Nahrungsaufnahme, ist auch nicht immer einfach. Besonders, wenn sie gerade mit dem kreischenden Kind auf dem Arm und einem Stapel Wäschezeinen schnaufend aus dem Keller kommt.

Diese Unnannehmlichkeiten nehme ich aber ganz gerne in Kauf – und appelliere an alle Freigeister, die sich nicht gerne zuhause einsperren lassen, es mir gleich zu tun. Sollten sich die nach Bewegung Lechzenden nämlich nicht an die Weisungen des Bundesrats halten, könnte sich dieser gezwungen sehen, die Massnahmen zu verschärfen. Und was einem dann blühen könnte, zeigt ein Video, das aktuell in den peruanischen Medien kursiert.

So könnte es bald in der Schweiz aussehen. Im Video: Ausgangssperre in Peru. (Handyvideo: PD/trome.pe)

Wie in anderen Ländern Südamerikas wurde jetzt auch in Peru wegen der Pandemie eine absolute Ausgangssperre ausgerufen. Und das ist kein wünschenswerter Zustand. Selbst eine Alltagshandlung wie das Runterbringen eines Müllsacks kann einem zum Verhängnis werden. Auf dem Clip sieht man, wie ein Mann spätabends auf eine menschenleere Strasse tritt. Kaum hat er ein paar Schritte gemacht, heulen schon die Sirenen auf. Eine Lawine aus Polizeiautos begleitet von Motorrädern rollt auf ihn zu, kesselt den Mann ein – und ehe er sich dessen bewusst wird, wird er gewaltsam in einen Käfig verfrachtet.

Auch wenn der Bundesrat in der aktuellen Bedrohungslage solche Polizeigewalt noch für ungerechtfertigt hält – ich werde mir bei nächster Gelegenheit genau überlegen, ob ich meinen eigenen Homeoffice-Knast wirklich verlassen will.

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