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Zwei linke Hände

Zwei linke Hände

Uhr
Kevin
Weber

Es gab in meiner Schulzeit so einige Fächer, die ich am liebsten dauerhaft geschwänzt hätte. Vor allem unter den handwerklichen Fächern und mir ist mit den Jahren eine tiefe Abneigung entstanden.

Die Handarbeit war mir besonders fremd. «Mädchenzeugs!», dachte ich zu Teenager-Zeiten. Weder hatte ich Interesse daran, mit textilen Stoffen zu arbeiten, noch hatte ich ein besonderes Talent im Nähen. Als wir eines Tages unsere eigenen Boxershorts fertigen mussten, passierte uns ein besonders dummes Malheur: Mein Kollege und ich nähten versehentlich die oberen Säume zusammen. Spätestens da dämmerte auch unserer Lehrerin, dass es mit der Handarbeit nichts werden würde. «Geht raus und spielt Fussball», war ihre konsternierte Bilanz.

Dass es aber nicht nur an den textilen Stoffen liegt, sondern dass ich allgemein zwei linke Hände habe, habe ich spätestens im Werken begriffen. In zwei Jahren brachte ich lediglich ein Schneidebrett sowie ein Fernsehmöbel zustande. Die restlichen Arbeiten musste ich aus Zeitgründen abbrechen. In den dunklen Kellerräumen an Holz werkeln behagte mir einfach nicht.

Im letzten Oberstufenjahr musste ich mich schliesslich für das Wahlfach zwischen Handarbeit, Werken oder Kochen entscheiden. Ich wählte Letzteres, da ich dachte, dass mir dieser Kurs für das weitere Leben am meisten bringen würde. Was sich auch bewahrheiten sollte, nur etwas anders als ich damals dachte. Der Kollege aus der Handarbeitsklasse tat es mir gleich und wir landeten im gleichen Kochteam. Unsere Lehrerin erkannte jedoch auch hier schnell unser mangelndes Talent. Anstatt zu kochen, wurden wir zu anderen Arbeiten verdonnert. Während ich jeweils die gewaschenen Handtücher zum Trocknen aufhängen musste, durfte mein Kollege den Kompost rausbringen und Blumen pflücken.

Als wir dann eines Tages einen Pizzatest machten, weigerte ich mich von einem Stück zu kosten, welches zu viel Käse drauf hatte. Ich mag nämlich keinen Käse. Meiner Lehrerin platzte daraufhin der Kragen. Sie verbannte mich aus dem Kochunterricht und schickte mich zurück in die tiefen dunklen Kellerräume an den Werkstisch. Eigentlich bin ich ihr fast ein wenig dankbar. Beschweren sich meine Mitmenschen heutzutage über meine Kochkünste, habe ich immerhin stets eine Ausrede: Ich schiebe die Schuld nämlich immer auf meine Lehrerin, die mich aus dem Kochunterricht verbannte.

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