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Ein Trash-Schirm im Existenzialismus

Ein Trash-Schirm im Existenzialismus

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Der Trash-Schirm, inszeniert auf einer post apokalyptischen Redaktionsterasse. (Bild: Thomas Bacher)
Deborah
von Wartburg

Es gibt Gegenstände, in die investiere ich weder Geld noch Stil, weil man sie ohnehin sofort wieder verliert oder sie einem spätestens nach zwei Wochen geklaut werden. In diese Kategorie gehören Feuerzeuge, Lippenpomaden und Schirme. Es sind aber auch die einzigen Gegenstände, bei denen wegen ihrer kurzen Besitzdauer alle möglichen Style-Fauxpässe erlaubt sind. So hatte ich mal ein Feuerzeug in der Optik eines kleinen pinken Schweinchens, bei dem Flammen aus den Nasenlöchern züngelten. Toll oder?

Eigentlich soll es hier aber um einen Schirm gehen. Am Wochenende bin ich mit ein paar Kolleginnen Zug gefahren. Irgendwann kam das Gespräch auf einen Todesfall und den Umgang damit im Bekanntenkreis. Mit respektvoller und ernster Miene sprachen wir über das Thema. Irgendwann kam der Zug am Ziel an und mit einem mürrischen Blick in den Himmel spannte ich meinen Schirm auf, während ich noch ein Detail der Geschichte erörterte. Die Freundinnen blieben mit entgeistertem Gesicht stehen. Eine sagte: «Das geht jetzt echt zu weit!» Und eine andere: «So kann ich dich nicht ernst nehmen!» Den Grund hielt ich in der Hand.

Mein Schirm ist nämlich in einer pink-lila-farbigen Leopardenmusteroptik gehalten. Wie gesagt, beim Schirmstil ist alles erlaubt, und dieser war ein Spontankauf. Die Kolleginnen erklärten, dass sie nicht mit mir über Existenzialistisches sprechen könnten, solange ich diesen Leopardenschirm in der Hand halte. Das kann ich zwar nachvollziehen, aber ich habe nun mal nicht immer für jedes Gesprächsthema den passenden Schirm dabei. Für Todesfälle einen schwarzen, für Promi-Gerüchte den Leoschirm und für politische Diskussionen einen in Zeitungsoptik? Zudem würde ich wohl den komplexeren Themen nicht ganz gerecht werden, wenn ich meine Position dazu in ein Schirmdesign packen könnte. Und selbst wenn: Er würde er mir eh nach zwei Wochen wieder geklaut werden.  

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