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Ein-geschenkt

Ein-geschenkt

Uhr
Foto: 1haboeri/pixabay
David
Marti

Die folgenden Zeilen sind Weihnachtsgejammer. Zu Recht wird der aufmerksame Leser jetzt schreien: «Weihnachten ist erst gerade überstanden, du Paias!», und dabei mit dem Messer fuchteln. Das stimmt Weihnachten ist vorbei, doch Geschenke muss ich auch in diesem Jahr wieder kaufen. Nur eins oder zwei, aber erneut wird sich das auf den Geburtstag des heiligen Zimmermanns zuspitzen. Und wieder werde ich auf der Suche nach einem Geschenk genervt in einen Tankstellenshop laufen und ihn mit zwei Flaschen edlem Schnaps zufrieden verlassen.

Nachdem ich die erste Flasche zur Hälfte ausgetrunken habe, fallen Hemmungen beim Geschenkekauf wie wirtschaftsethische, ökologische oder spirituelle Bedenken. So bin ich einst auch zur glorreichen Idee gekommen: Fussmatten und Klobürsten für alle – praktisch und persönlich. Doch leider funktioniert das zu Zeiten der Digitalisierung nicht mehr. Wischen will man heutzutage nur noch über Touchpads.

Vom digitalen Geiste erfasst, gehe ich heim um auf Youtube zu gucken, wie ein Mann Videospiele spielt und danach wutentbrannt Tastatur und Wohnung demoliert. So ein Idiot denke ich, dabei könnte er viel billiger seine Kinder verprügeln – der Schnaps macht sich bemerkbar.

Vielleicht doch ein Rudel Katzen verschenken? Doch die ersten zwei Videos auf Youtube schrecken mich ab. Da spielt eine Katze Keyboard und eine andere telefoniert. Zu jeder Katze müsste ich also ein Keyboard oder ein Telefon kaufen. Das ist mir zu teuer. Vielleicht könnte ich Schlangen kaufen, die haben keine Pfoten zum Telefonieren und können lustig geknotet in Geschenkpapier gepackt werden.

Die Tasse ist hin. Stolz hat der Bruder noch ein Foto der Donkey-Kong-Tasse gemacht.

Das käme allerdings nicht annähernd an das beste Geschenk heran, das ich jemals gemacht habe. Es ist eine Nintendo-Donkey-Kong-Junior-Tontasse. Die hat mein Bruder ausgepackt, mitgenommen und in der Tradition des destruktiven Gorillas zu Hause auf den Boden geschmissen – unabsichtlich, wie er behauptet.  

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