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Der WC-Papier-Film

Der WC-Papier-Film

Uhr
Foto: Jacqueline Macou/Pixabay
Deborah
von Wartburg

Gestern habe ich WC-Papier gekauft. Ich weiss, was für eine Nachricht! Ich habe es am Mittag gekauft, weil ich eh in den Denner musste, um ein Feinschmecker-Mittagsmenü zu erwerben. Ich bin dann also am Abend mit dem WC-Papier in den Zug gestiegen und habe mir nichts dabei gedacht. Alle anderen anscheinend schon. Immer wieder sah ich Augenpaare zu dem WC-Papier huschen, dann zu mir, dann verschämt wieder weg. Zweimal wurde ich sogar auf das Zehnerpack «Extra Soft» angesprochen. Erst von einem alten Mann, der grinsend sagte: «Ist Ihnen wohl ausgegangen.» Verwirrt schaute ich ihn an und sagte nichts.

Der zweite Kommentar kam von einem Kollegen, den ich zufällig im Bus traf. Ihn fragte ich deshalb auch, weshalb es eigentlich so speziell sein soll, sich mit Klopapier in der Öffentlichkeit zu bewegen. Er meinte: «Es stellen sich halt alle direkt vor, wie du es benutzt.» Wie bitte? Warum sollte jemand so etwas tun? Wenn im Coop an der Kasse der Kunde vor mir Zigaretten kauft, stelle ich ihn mir auch nicht rauchend vor. Mein Kollege meinte, das liege an der Intimität des Produkts. «Gerade weil es jeder benutzt, geht direkt der WC-Papier-Film an. Wahrscheinlich stellen sie sich auch die verzupften Reste der Haushaltspapierrolle vor, die aus Not neben deinem Klo steht.» Ach Gottchen, haben die Leute denn nichts anderes zu tun?

Aber, wenn ich genau darüber nachdenke, werde ich bei manchen Produkten auch neugierig. Wenn etwa eine ältere Person Kondome kauft, denke ich belustigt, aber nicht ohne Anerkennung: «Läuft bei dir!» Genau so, wenn ein Mann Tampons kauft. Dann stelle ich mir vor, wie er diesen Auftrag von einer Frau entgegengenommen hat und wie er sich wohl dabei fühlt. Der Tampon-Film kann je nach kaufendem Subjekt sehr unterhaltsam sein. Aber eigentlich ist es doch merkwürdig, dass wir intime Produkte in einem öffentlichen Laden kaufen, der Transport nach Hause aber trotzdem noch mit Scham verbunden ist.

Vielleicht sollte man auch im Coop - wie bei Erotik-Shops - solche schwarzen Plastiksäcke für die intimen Produkte anbieten. Wobei dann wahrscheinlich das Kopfkino noch viel mehr angeregt wird, weil man nicht weiss, was drin ist, nur dass es etwas mit Scham verbundenes ist. So eine Riesenpackung WC-Papier würde dann schnell zu einer professionellen Sex-Schaukel oder so. Da würde der Produkt-Film völlig verrückt spielen.

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