×

Macht das Auto wieder unbezahlbar

Macht das Auto wieder unbezahlbar

Uhr
Michael
Kuratli

Seit Kurzem besitze ich ein Auto. Es ist 25 Jahre alt, eckig, bordeauxrot und kostete schlappe 600 Franken. Zwar eiern die Vorderräder bedrohlich, die Zentralverriegelung ist hin, es säuft ziemlich viel Sprit und die Bremslichter sind vorübergehend auch ausser Dienst.

Oft steht mein Youngtimer wochenlang unberührt in der blauen Zone rum und wartet darauf, dass ich mich auf den verschlissenen Fahrersitz quetsche, den Aschenbecher vollqualme, eine Kassette einlege und mit ihm ein paar Kilometer unter die Räder nehme. Das macht mich glücklich.

Was mich auch glücklich machen würde: Eine CO2-Abgabe wie eine Faust in die Magengrube, Road-Pricing für Durchfahrtsachsen und komplett autofreie Innenstädte.

Was für eine heuchlerische Doppelzüngigkeit, werden Sie denken. Wasser predigen und Wein trinken. Doch warten Sie, denn hinter meinem paradoxen Verhalten steckt durchaus Kalkül, das sogar einigermassen ökologisch ist. Denn dies ist ein Aufruf, aus dem Auto wieder das zu machen, was es vor Fords Fliessband-Revolution war: ein Luxusprodukt.
Ist es schliesslich nicht das, was sich alle Besitzer eines Autos wünschen: allein auf der Strasse zu sein? Natürlich würde die Strasse nicht mehr mitten durchs Quartier führen, und Benzin müsste man wieder in der Apotheke bestellen. Aber stellen Sie sich nur den Platz vor, den die dicht verbaute Schweiz durch frei gewordene Asphaltflächen gewinnen würde. Stellen Sie sich die frische Luft vor, die man vom Glattzentrum bis Hegnau wieder atmen könnte.

Und stellen Sie sich die grossen Augen der Leute vor, wenn ich mir dann den Luxus gönne, mit meiner bordeauxroten Dreckschleuder ein paar Pässe zu fahren. Aus Fenster und Auspuff qualmts altertümlich. Der Motor röhrt wie ein aussterbendes Tier. Und wer braucht schon Bremslichter, wenn er alleine ist.

Kommentar schreiben

Kommentar senden

Ich glaube See denken hier nur an sogenannte Spassfahrten. Genau diese die Sie hier mit Ihrem Oldy machen. Meine Kundendienstleute haben einen Vermerk bei Kunden die so denken. Hat so ein Kunde ein Problem mit seiner Heizung oder seinem Wasser/Abwasser oder was Sie auch so alles an ortsgebundener Infrastruktur beistzen, teilt der Techniker mit, dass er erst so in ca. 2 Wochen kommen kann. Das Taxi oder der Bus separat verrechnet wird. Eilt es Ihnen aber kommt er mit dem Auto und verlangt Ihnen die exorbitanten Kosten für die längere Anfahrtszeit.

Alle Kommentare anzeigen