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Die Alko-Snobs sind überall

Die Alko-Snobs sind überall

Uhr
Thomas
Bacher

Ich habe diese Woche ein 5-Liter-Bierfässli geschenkt bekommen. Eigentlich super, doch weil Bier schnell schal wird und ich nicht fünf Liter aufs Mal wegschlucken kann, muss ich es mit jemandem teilen. Doch wer soll das sein? Das Bier im Fässli stammt nämlich aus einer Grossbrauerei und wird von den immer zahlreicher werdenden Bier-Connaisseurs wahlweise als «Plörre», «Industriebrause» oder «Pisse» bezeichnet. Heute trinkt man India Pale Ale, Porter oder Stout von authentischen Kleinbrauern. Nur ich bin irgendwie hängen geblieben.

Eigentlich ist es ja ganz okay, wenn man sich weiterentwickelt im Leben. Man fängt an mit Muttermilch, geht über zu Sirup, und steigert sich dann langsam, bis die Geschmacksknospen etwas mit dem komplexen Bouquet eines Rotweines anfangen können. Und wenn es soweit ist, ist man alt.

Also früher war das so. Heute haben schon viele Spät-Teenager einen erlesenen Geschmack, was Alkoholika anbelangt. Sie erfreuen sich an bierischen Exklusivitäten und schwärmen von Drinks, die den einfachen Trinker an Batteriesäure erinnern.

Igitt!

Vor einiger Zeit war ich in einer Bar, die sich rühmte, die 50 besten Gin-Sorten im Angebot zu haben. Da unterhielt sich ein vielleicht 25-jähriger Dächlichappen-Typ angeregt mit dem Barkeeper über komplizierteste Destilliermethoden und die Geschmacksexplosion, wenn man einem bestimmten Jahrgangs-Gin einer Manufaktur im hinteren Oberwallis eine Prise Salz und eine Orangenzeste zufügt.

An meinem Stout nuckelnd (Lager gab's nicht), machte ich mir ernsthaft Sorgen, womit sich diese Generation wohl beschäftigt, wenn sie erst im Rentenalter ist. Doch als ich nach ein paar Stunden die Bar verliess, versöhnte mich ausgerechnet dieser Dächlichappen-Typ wieder mit der Welt. Der war nämlich gerade dabei, sämtliche erlesenen Drinks des Abends wieder rauszuwürgen. Und was da vor ihm auf dem Boden lag, hatte irgendwie jegliche Exklusivität verloren.

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