×

Jähzorniger Lehrer versus schussliger Schüler

Jähzorniger Lehrer versus schussliger Schüler

Uhr
Foto: pixabay/Wokandapix
David
Marti

(Foto: pixabay/Wokandapix)

In der dritten Klasse hatten wir einen Tyrannen und Choleriker als Lehrer. Einer der ganz alten Schule. Bei der Begrüssung pflegte er jeweils die kleinen Hände der Schüler zusammenzudrücken, dass es knirschte und knackte. Wir Buben liessen uns nichts anmerken, die Mädchen gingen in die Knie vor Schmerzen. Wenigstens wurden sie von den Kopfnüssen verschont, die es regelmässig hagelte.

Besonders einen Türken hatte er auf dem Kicker: den kleinen Carlo. Der Lehrer hatte nichts gegen Ausländer, glaube ich, er mochte einfach klein Carlo nicht, der mit seiner schusseligen Art immer wieder Zunder lieferte. An drei Feuersbrünste mag ich mich noch erinnern.  

Eines Tages ging Carlo mit seinem Heft nach vorne, um dem Lehrer die Rechenaufgaben zu zeigen. Er reihte sich in die Schülerschlange ein, wo er sich bald langweilte, seinen Füllfederhalter schüttelte, mit der Spitze unbedacht in das Zweithemd des Lehrers am Kleiderhaken stach und mit lautem Schranz einen türkisblauen Bosporus in den Stoff zog. Mit blinder, kalter Wut sprang der Lehrer empor und rannte fuchtelnd mit dem Lineal hinter Carlo her: «Seidenhemd, Geschenk, Saugoof.»

Schulreise mit Handgelenksbruch

Unvergesslich war auch die Schulreise mit dem Velo. Weil Carlo kein eigenes hatte, lieh ihm der Lehrer zähneknirschend das seines Sohnes. Um sicherzugehen, dass er es heil wiederbekam, musste Carlo immer unmittelbar hinter dem Lehrer fahren. Als dieser einmal abrupt bremste, fuhr ihm Carlo voll in die Speichen und beide Fahrräder waren hinüber. Zum Glück brach sich Carlo beim Sturz das Handgelenk, so kam er dem Lehrer zuvor.

Der Klassenhamster Amadeus, den durfte Carlos nie nach Hause nehmen. Das hinderte ihn aber nicht daran, Amadeus mit der türkischen Süssspeise Lokum zu füttern – er erstickte am dritten Geleewürfel. Der Lehrer kaufte sich daraufhin einen Vogel und hängte ihn weit weg von klein Carlo unter die Decke.

Kommentar schreiben

Kommentar senden