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Heisser Tanz im Sexismus-Kreuzfeuer

Uhr
Marco
Huber

«LAP-Tanz» auf dem Strickhof. Was für  mich zuerst wie die Neueröffnung eines Stripclubs tönt, ist eigentlich Werbung für die Abschlussfeier der Lernenden des Strickhofs Lindau, die am Samstag steigt. «Wir freuen uns auf euch, um zusammen zu heisser Musik das Tanzbein zu schwingen», heisst es auf der Facebook-Seite des Landwirtschaftszentrums weiter.

Mein erster Gedanke: Sexismus. Mein zweiter: Spinne ich eigentlich? Ehrlich gesagt bin ich der Letzte, der wegen eines solchen Plakats einen Aufschrei machen würde. Auf dem Plakat sind keine nackten Körperteile zu sehen, also alles halb so wild. Und trotzdem erscheint vor meinem inneren Auge eine Frau, erotisch tanzend auf dem Schoss eines Mannes. Die Städtereise nach Amsterdam mit Kumpels vor einigen Jahren lässt grüssen.

QV-Tanz zu unsexy

Aber zurück zum Strickhofball. Dort wird nämlich – zumindest glaube ich das – nicht auf den Schossen von Männern getanzt, sondern die Lehrabschlussprüfung gefeiert. Deshalb auch die Abkürzung LAP. Fakt ist aber, dass diese eigentlich gar nicht mehr verwendet wird. Seit rund sieben Jahren heissen die finalen Tests nämlich Qualifikationsverfahren, kurz QV. Der Name «QV-Tanz» wäre aber ungefähr gleich sexy wie die Abhandlung eines Gestaltungsplans am Montagmorgen.

Die Gestalter des LAP-Tanz-Plakats sind also nicht sexistisch. Sie haben einfach versucht, kreativ zu sein. So ist das halt mit der Werbung. Sie soll Aufmerksamkeit erregen. Und das hat sie. Vielleicht wäre es jedoch einfacher gewesen, den Anlass so zu nennen, wie dieser der Allgemeinheit bekannt ist: Strickhofball. Simpel, aber unverfänglich. Und wer weiss: Vielleicht geniesst der eine oder die andere ja doch noch einen Lap-Dance am LAP-Tanz.

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