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Eine Liebeserklärung an den Winter

Eine Liebeserklärung an den Winter

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Verschneite Wälder. Darauf freut sich die Autorin das ganze Jahr. (Bild: PD)
Fabia
Bernet

Früher verunmöglichte die Vorfreude auf den Geburtstag jeglichen Schlaf. Früher, als man noch Kind war. Genauso ging es mir. Mit Weihnachten, Geburtstag, bevorstehenden Ferien oder Ausflügen mit der Schule. Die unbändige Ungeduld, die ein Kind erlebt. Schon Wochen vor dem Geburtstag zeichnete ich Kreise im Pastorini-Katalog um die Objekte meiner Begierde. Ich markierte, was ich mir wünsche. Heute kaufe ich. Ich freue mich auch immer noch auf Ferien. Vorherrschend ist allerdings das, was noch erledigt werden muss bis dahin. Die kindliche Vorfreude, die ging mir verloren.

Eine Ausnahme gibt es allerdings. Sobald der Sommer vorbei ist und sich auch der Herbst mit dem Fall des letzten rubinroten Blattes verabschiedet, spüre ich die Vorfreude. Dann prüfe ich täglich die meteorologischen Prognosen. Zeichne in Gedanken Kreise um kalte Tage. Bald ist es wieder soweit und der Schnee kommt.

Wenn der Schnee liegen bleibt, schlägt mein Herz höher. (Bild: Fabia Bernet)

Die Liebe zu Schnee und der kalten Jahreszeit entspringt vermutlich einer frühkindlichen Prägung. Viele meiner Kindertage verbrachte ich in den Bündner Bergen. Damals wurde ich, dickeingepackt in einem wattierten Einteiler und neongrüner Sonnenbrille, im Schlitten über die schneebedeckten Wege gezogen. Auf den Skiern stand ich etwa gleichzeitig wie ich laufen konnte. Heilig Abend und mein Geburtstag liegen gerade mal knapp zwei Wochen auseinander. Geschenke, bunte Funken in der Luft, süsser Dreikönigskuchen, Geschenke. Im Winter konnte ich mich nie beklagen über wenig Gaben.

Wenn dann der Schnee zum ersten Mal fällt, stehe ich draussen und blicke gen Himmel. Ich bilde mir ein, dass ich verträumt lächle. Meist verformt sich mein Mund aber zu einem breiten Grinsen. Ich bin so wahnsinnig glücklich in diesem Moment. Der Schnee ist da. Wenn er dann mal liegen bleibt in der Stadt, dann komme ich aus dem Staunen nicht mehr raus. Da glitzert alles und die Welt ist magisch. Verspätete Busse, Salzränder an den Schuhen und rutschige Strassen lassen mich kalt. Ich bin viel zu sehr damit beschäftigt, Schneeflocken mit meinem Mund zu fangen. Für die kurze Sequenz kindlicher Freude bin ich so dankbar.

Snowboarden auf der leeren Piste, die Sonne und der blaue Himmel: Wundervoll. (Bild: PD)

Zur wunderschönen weissen Pracht kommt auch die Gemütlichkeit des Winters. Man verbringt viel Zeit mit seiner Familie, schlendert durch die Weihnachtsmärkte, geht mit Freunden snowboarden oder schlitteln. Gängige Gegenargumente sind, dass die Weihnachtszeit stressig sei, die Märkte zu voll und die Skigebiete zu überlaufen. Dabei bergen doch genau diese Situationen die Möglichkeit, sich in Geduld zu üben. Wie früher, als man wochenlang auf die Bescherung warten musste.

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