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Ist der Rock'n'Roll am Ende?

Ist der Rock'n'Roll am Ende?

Uhr
Thomas
Bacher

Ja, früher, da war das noch ganz anders mit den Rockkonzerten. Wenn der Gig um 21 Uhr beginnen sollte, ging man um 23 Uhr hin – um dann die Vorband beim Soundcheck zu erleben. Schliesslich brauchte die Hauptband Zeit, um sich in Stimmung zu saufen. Vorverkauf war auch so eine Sache. Zu riskant. Denn niemand konnte sagen, ob der Rockstar nicht vielleicht spontan verhaftet oder kurzfristig an einer Überdosis verenden würde.

Falls es die Band dann doch auf die Bühne geschafft hatte, kam es mit schöner Regelmässigkeit zu Meinungverschiedenheiten unter den Musikern. Oder zwischen den Musikern und dem Publikum, das unter Umständen nicht einverstanden war, dass die Band ihren Auftritt nach nur einer halben Stunde für beendet erklärte. Fliegende Flaschen oder demolierte Verstärkertürme konnten eine Antwort auf die Unverschämtheit sein.

Auch Rocker brauchen Geld

Heute sind Leistung und Disziplin gefragt. Der Absatz von Tonträgern ist eingebrochen, die Entschädigungen der Streamingdienste für Künstler sind einfach nur lächerlich. Die Situation ist dermassen aussichtslos, dass immer mehr Bands ihre Alben gar nicht mehr den Plattenfirmen anbieten, sondern gleich gratis online stellen. Doch Geld muss ja reinkommen, auch Rocker müssen essen. Und Vaterschaftsklagen sind nicht günstig.

Also tingeln die Musiker wie Spitzensportler auf eng getakteten Tourneen durch die Welt. Damit sie jeden Abend eine zweistündige Show durchhalten, ernähren sie sich gesund, trinken reichlich (Wasser), und machen Sport. Nein, nicht so, die Sache mit den Groupies hat sich nämlich auch erledigt. Joggen steht aktuell hoch im Kurs.

Alle Hoffnungen ruhen auf Slash

Und nun kommt Slash am heutigen Donnerstagabend nach Dübendorf in die Samsung-Hall. Der Gitarrist von Guns n' Roses und später Velvet Revolver hat, um hier nicht zu sehr ins Detail zu gehen, das Leben als Rockstar mit all seinen Höhen und Tiefen voll ausgekostet. Und jetzt wird er in der Zürcher Agglo darüber entscheiden, ob der Rock'n'Roll tot ist. Nicht mehr, nicht weniger.

Denn so verhält es sich: Gemäss Zeitplan beginnt der launige Konzertabend um 20 Uhr mit der Vorband Bishop Gunn, danach kommt Slash, und zwar um 20.55 Uhr. Nicht 20.45 Uhr, nicht 21 Uhr, sondern genau um 20.55. Wenn also heute Abend dieser Mann mit seinem Hut, seiner Sonnenbrille und seiner Gitarre tatsächlich um 20.55 Uhr die Bühne betritt, dann kann man die Akte Rock'n'Roll schliessen. Es sei denn, er schlägt dem Schlagzeuger die Whiskyflasche über den Kopf und erbricht sich danach ins Publikum.  

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Auch Rockstars werden älter und auch sie werden durch Erfahrungen gezeichnet. Wenn dein Freund in deinen Armen stirbt, wenn du selbst quasi schon einmal tot warst und nun ne Maschine brauchst, die deinem Herz einen Ruck gibt, damit es den richtigen Rhythmus wieder findet und deshalb nicht aufhört zu schlagen, dann ist es dir wohl nicht vorzuwerfen, wenn du deine Lebensart etwas überdenkst. Und wenn du Vater wirst und dich deshalb selbst in eine Enzugsklinik einweist, sollte man Respekt vor dir haben und es dir nicht vorwerfen. Slash hat wirklich alle Höhen und Tiefen miterlebt und sich von einigen Genossen verabschiedet. Ihm gehört mein Respekt, dass er all dies überstanden hat und ich bin sehr froh, dass er nicht mehr so lebt wie früher, denn sonst hätten wir ihn wahrscheinlich gestern nicht in Zürich gesehen. Fazit von mir: Ich habe ihn jetzt fünf Mal live erlebt (1x mit GnR und 4x mit Myles) und jedes Mal war eine grossartige Stimmung und kaum einer hat die Bühne je so gerockt, wie er das noch heute tut. Das ist mir viel lieber, als wenn ich damit rechnen muss, dass er entweder gar nicht erscheint oder das Konzert abgebrochen wird, weil er sich prügelt. (Was ja sein Kollege bevorzugte.)

Na, das ist doch mal ein cooler Bericht! Ich fiel vor lauter Lachen fast vom Stuhl...
Wie gross muss die Bestürzung sein, wenn Thomas Bacher erfährt, dass Slash gestern bereits eine Viertelstunde zu früh (!!!) auf der Bühne stand.... Alle Träume sind dann wohl sowas von futsch...
In diesem Sinn wünsche ich allen einen rockigen Freitag!