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Müll und andere Vulgaritäten

Müll und andere Vulgaritäten

Uhr
Beim Entsorgen sollen Leute schon aufs Übelste beschimpft worden sein.
Lukas
Elser

Neulich ging ich sozusagen im Pyjama ins Hagenholz Müll entsorgen. Dreistreifen-Trainerhosen, zerfetzte Turnschuhe, löchriger Pluderpullover, Bett-Frisur. Wozu auch soll ich mich für eine dreckige Aufgabe herrichten? Doch wie sich herausstellen sollte, teilten andere meine Ansicht nicht.

Gut, ich gebe zu, vielleicht haben wir es mit der Nonchalance etwas übertrieben. Es fing bereits beim Einräumen in den Mobility-Transporter an. Mein Kollege führt alle Schaltjahre einmal die Operation Abfallentsorgung durch. Meist aus Zwang, weil sein Kellerabteil bis zur Decke vollgestopft ist, sodass er nicht mehr an seinen Wein rankommt. Eine Ordnung gibt es nicht, Pet-Flaschen liegen über alten CDs, im Elektroschrott-Sack befinden sich Bücher – und die hat er nicht einmal aussortiert. Im Auto lag dann auch alles durcheinander. Er wird ja wohl nicht erwarten, dass ich ihm an meinem freien Tag auch noch seinen Müll sortiere.

In der Zürcher Entsorgungsanlage rechnet man aber nicht mit Chaoten wie uns. Alles ist perfekt organisiert. Die Autos fahren in Reih und Glied, von Posten zu Posten. Zuerst hält man beim Glas, wo man stoppt und seine Flaschen entsorgt. Dann darf man weiter zum Alu und von dort weiter zum Karton.

Ich ging mit all den Säcken zu irgendeinem Posten und begann, zu sortieren. Die Pet-Flaschen konnte ich vor Ort entsorgen, für das Metall musste ich zum 20 Meter entfernten Metall-Container laufen, für die Kabel genügten 10 Meter. Nachdem ich dieses Prozedere beim vierten Sack vollziehen wollte, stand plötzlich ein Mann vor mir und schnauzte mich an: «Gehts dir eigentlich noch, du Volltrottel?» Ich schaute ihn verdutzt an. Er schnaubte: «Wir stehen in der Reihe hinter dir und warten, du Penner!» Ich: «Ich lasse mich nicht stressen.» Er: «Du kannst ja gleich noch...» und anstatt etwas zu sagen, schob er sein Becken vor und machte eine wedelnde Handbewegung vor seinem Schritt. Und sie: «Du bist, wie du aussiehst.»

Ich blickte auf meine ausgebeulte Trainerhose, dann auf die feinen Schuhe meiner Kontrahenten und lachte:  Es stimmt also doch – Kleider machen Leute.

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