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Schopenhauers Kinderhasser

Schopenhauers Kinderhasser

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Könnte der Gebrauch von Atombomben mit weniger Kindern verhindert werden?
Keystone
Lukas
Elser

Neulich bin ich bei meiner Zeitungslektüre über einen Begriff gestolpert: «Antinatalismus». Sie haben richtig gelesen. Natal, nicht national. Die Antinatalisten sind keine Gegenbewegung zum Protektionismus und auch keine Faschisten. Und sie sind auch keine  diktatorischen Rechtsstaat-Zertrümmerer à la Stephen Bannon.

Nein, ihre Bewegung geht über politisches Gezänk hinaus und denkt die Welt noch radikaler als alle Idealisten und Zerstörer. Wer ist schuld am Klimawandel? Der Mensch. Wer ist schuld am Krieg? Der Mensch. Und wer ist schuld, dass die Wale sterben? Auch der Mensch.

Unsere Art ist für jedes vorstellbare Übel auf der Welt verantwortlich. Die Lösung der Antinatalisten ist daher nur logisch: Der Mensch muss weg. Nun würde sich für dieses Ziel natürlich eine Auslöschung anbieten, doch dürfte dieses Mittel selbst den Menschengegnern zu radikal sein, also richten sie sich gegen den Ursprung des Menschseins selbst und verbieten ganz einfach das Gebären.

Die Idee ist nicht neu. So hat der 1788 geborene Philosoph und Menschenverachter Arthur Schopenhauer bereits antinatalistische Positionen vertreten. Seiner Meinung nach war Leben im Wesentlichen Leiden und deshalb sollte man von der Fortpflanzung absehen. Der Gedanke wurde in Ansätzen sogar als staatliche Doktrin umgesetzt, etwa in Form der Ein-Kind-Politik Chinas.

Im Zeitalter von menschgemachten Naturkatastrophen und Überbevölkerung scheint die ursprüngliche Idee wieder populär. So gibt es etwa seit einigen Jahren eine «Bewegung  für das freiwillige Aussterben der Menschheit», denn dies würde das Problem der Rohstoffknappheit lösen, so die Begründung für ihre Forderung.

Für Sie, liebe Leserin, lieber Leser, die sie jetzt vielleicht gerade ihr Frischgeborenes in Händen halten, freuen sie sich nicht am Baby-Lächeln. In den Augen der Ökomoralisten haben sie nämlich gerade eine Sünde begangen. Also schämen Sie sich gefälligst!

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