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Wenn der Bäcker der Metzger ist

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Okay, damit hat der Bäcker in der Regel nicht so viel zu tun. PD BlackRiv/Pixabay
Thomas
Bacher

Wie fürchterlich kompliziert das Leben manchmal ist, musste ich feststellen, als ich meinen Aktionsradius von meinem Wohnort Dübendorf Richtung Uster auszuweiten begann. Wenn man in Dübendorf «zum Hotz» geht, dann geht man zum Bäcker (so wie auch in Schwerzenbach und in Fällanden). In Uster hingegen ist «der Hotz» der Metzger. Der Bäcker in Uster war lange Zeit «der Fust», in Dübendorf aber geht man «zum Fust», wenn man Elektrohaushaltsgeräte oder Unterhaltungselektronik braucht und Verkäufer mit weissen Hemden sehen will.

Und jetzt wirds richtig knifflig: In Uster gibts auch so einen Waschmaschinen- und Computer-Fust, der Bäcker-Fust jedoch existiert nicht mehr, also er wurde von einem anderen Bäcker übernommen und heisst jetzt nicht mehr Fust, was manche Ustermer allerdings nicht davon abhält, weiterhin gewohnheitsmässig «zum Fust» zu gehen, wenn sie beim neuen Bäcker Brot kaufen wollen. Nur gehen sie halt auch «zum Fust», um ein neues Ladekabel zu erstehen. Wenn man im Kopf also nicht so superflexibel ist, dann ist diese «Bäckerei ist Metzgerei ist Waschmaschinen- und Computer-Shop»-Sache ganz schön verwirrend.

Was ist oben, was ist unten? Was ist Fisch, was ist Vogel? Schwierig. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich an alles, und ich weiss mittlerweile die Aussagen der Leute zu deuten, wenn sie mir berichten, wo sie einkaufen gehen (auch wenn mich das eigentlich nicht interessiert). Ich sage dann jeweils zu mir selbst: «immer schön auf den Kontext achten Junge», dann ist es einfacher.

Leider musste ich nun wieder einen herben Rückschlag einstecken. So erzählte mir kürzlich jemand freudestrahlend, dass «der Fleischli» nach Dübendorf komme. Aha, dachte ich, bekommen wir also wieder einen Dorfmetzer. Aber ich lag falsch: «Der Fleischli» ist nämlich der Bäcker.

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