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Nach zwei Suiziden

Was lief falsch bei der Stadtpolizei Winterthur?

Der Stadtrat hat die beiden Suizide in der Stadtpolizei Winterthur extern untersuchen lassen. Nun liegt der Abschlussbericht vor.

Agentur
sda
Freitag, 25. November 2022, 14:52 Uhr Nach zwei Suiziden
Graues Bürogebäude von aussen.
Der Winterthurer Stadtrat informiert am Freitagnachmittag über die Ergebnisse einer Administrativuntersuchung bei der Stadtpolizei. (Symbolbild)
Foto: Keystone

Der Winterthurer Stadtrat will bei der Stadtpolizei einen Kulturwandel einleiten. Ein nach zwei Suiziden von Polizeiangehörigen erstellter Untersuchungsbericht hat Mängel in der Führungskultur der Stadtpolizei geortet.

Im Untersuchungsbericht werden die Kultur und das Führungsverhalten innerhalb der Stadtpolizei kritisiert, wie der Stadtrat am Freitag in einer Mitteilung schrieb. Die Administrativuntersuchung wurde von einer Anwaltskanzlei durchgeführt.

Laut dem Bericht herrschte bei der Stadtpolizei eine sehr hierarchisch ausgeprägte Führungskultur. Kritik sei kaum zugelassen worden. Wer Entscheide des Kommandanten hinterfragte, habe schnell als illoyal gegolten.

Untersuchung zu Verfehlungen

Der erste Suizid eines Angestellten der Stadtpolizei ereignete sich im Juli 2021. Der Angestellte der Quartierpolizei war laut Stadtpräsident Michael Künzle (Mitte) zuvor drei Monate krankgeschrieben, nachdem gegen ihn ein Personalverfahren eröffnet wurde.

Der zweite beging im Februar 2022 im Gebäude der Stadtpolizei Suizid. Er wurde wenige Wochen zuvor - mit seinem Einverständnis - von der Quartierpolizei in den Schalterdienst versetzt.

Im Februar 2022 gab der Stadtrat die Administrativuntersuchung in Auftrag, um herauszufinden, ob es bei der Stadtpolizei zu Verfehlungen gekommen ist.

Im Februar 2022 gab der Stadtrat die Administrativuntersuchung in Auftrag, um herauszufinden, ob es bei der Polizei zu Verfehlungen kam. «Es ging nicht darum, herauszufinden, warum die beiden Polizisten Suizid begangen haben», sagte Künzle.

Die Untersuchung hat laut Künzle jedoch ergeben, dass es keine personalrechtlichen oder strafrechtlichen Verfehlungen gegeben habe.

Bericht bleibt unter Verschluss

Der frühere Kommandant trat per Ende März 2022 zurück – aus gesundheitlichen Gründen, wie der Stadtrat damals mitteilte. Sein Nachfolger wird die Stelle im Februar 2023 antreten.

In der Zwischenzeit führt der stellvertretende Kommandant die Stadtpolizei. Der neue Kommandant soll laut Cometta eine tragende Rolle bei der Etablierung einer neuen Führungskultur spielen.

Der Untersuchungsbericht wird laut Künzle nicht herausgegeben. «Wir müssen die Leute schützen, die im Rahmen der Untersuchung Auskunft gegeben haben», sagte der Stadtpräsident.

Auch die zuständige Kommission des Stadtparlaments erhält den Bericht nicht. Man habe die Mitglieder der Kommission jedoch informiert.

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