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Verfahren eingestellt

Tod eines 19-Jährigen am Bahnhof Meilen war ein tragischer Unfall

Für die Staatsanwaltschaft See/Oberland steht fest: Am Tod eines jungen Mannes im Dezember 2021 trägt niemand die Schuld. Auch gegen einen Kollegen des 19-Jährigen wird kein Verfahren eingeleitet.

Redaktion
Tamedia
Mittwoch, 01. Juni 2022, 10:07 Uhr Verfahren eingestellt
Verwandte und Bekannte erinnerten am Tag nach dem Unglück mit Bildern, Blumen und Kerzen an den verstorbenen 19-Jährigen.
Verwandte und Bekannte erinnerten am Tag nach dem Unglück mit Bildern, Blumen und Kerzen an den verstorbenen 19-Jährigen.
Archivfoto: Manuela Matt

Es war das jähe Ende einer durchzechten Partynacht: In den frühen Morgenstunden des 18. Dezember verstarb ein 19-jähriger Mann am Bahnhof Meilen, als er bei der Unterführung Bahnweg auf eine abgestellte Rangierlokomotive kletterte und von einem Stromschlag getroffen wurde. Zwei weitere 19-jährige Personen wurden beim Vorfall ebenfalls verletzt. Die insgesamt vierköpfige Gruppe war auf dem Heimweg von einer privaten Feier in einer Waldhütte.

Um die genau Ursache des tragischen Vorfalls sowie ein mögliches strafrechtliches Verhalten zu klären, eröffnete die Staatsanwaltschaft See/Oberland noch gleichentags eine Untersuchung. Nun liegen deren Ergebnisse vor. Wie Erich Wenzinger, Sprecher der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage dieser Zeitung sagt, hätten die Ermittlungen das vermutete Unfallgeschehen bestätigt.

Kein Drittverschulden

Wenzinger erklärt, der 19-Jährige habe die Rangierlokomotive kurz vor zwei Uhr nachts spontan bestiegen. Dabei wurde er von einem Lichtbogen erfasst, einer Entladung zwischen zwei elektrischen Leitern, und erlitt dadurch tödliche Verletzungen.

Überdies habe die Untersuchung gemäss Wenzinger keine Hinweise auf ein strafrechtlich relevantes Verhalten Dritter zutage gefördert. Der Tod des jungen Mannes muss damit als tragischer Unfall verbucht werden. Entsprechend hat die Staatsanwaltschaft See/Oberland ihre Ermittlungen abgeschlossen. Anklage wird keine erhoben.

Einige Fragen bleiben

Die SBB wiesen auf Anfrage dieser Zeitung im Dezember darauf hin, dass das Betreten von Bahnanlagen sowie das Erklimmen von Zügen nicht nur lebensgefährlich, sondern auch ein Offizialdelikt sei. Als Offizialdelikt bezeichnet man Straftaten, die so schwer sind, dass die Strafverfolgungsbehörden die Tat verfolgen, auch wenn der oder die Geschädigte keine Strafanzeige erstattet.

Wie die Kantonspolizei am Tag nach dem Unfall bekannt gab, stieg neben dem späteren Todesopfer ein weiterer junger Mann auf die Rangierlokomotive. Muss er nun mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen? Nein, sagt Erich Wenzinger. Da diese Person den tragischen Tod seines Kollegen unmittelbar miterleben musste und dem Opfer nach dem Unfall zu Hilfe eilte, habe man in einer Gesamtwürdigung der Umstände von weiteren Untersuchungen abgesehen. Auch die SBB teilen auf Anfrage mit, «aus Pietätsgründen» keine weiteren Schritte eingeleitet zu haben.

Weshalb die jungen Menschen überhaupt auf die Idee kamen, die Rangierlok trotz entsprechendem Warnhinweis und Absperrung durch Geländer zu besteigen, bleibt offen. Auskünfte darüber, ob Alkohol oder Drogen im Spiel waren, erteilt die Staatsanwaltschaft mit Verweis auf den Persönlichkeitsschutz und aus Rücksicht auf die Angehörigen des verstorbenen Mannes keine.

(Fabienne Sennhauser)

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