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Unfallstatistik 2020

Im Oberland krachte es mehr als im Kanton

Im Unterschied zur kantonalen Entwicklung hat es in der Region im letzten Jahr mehr Verkehrsunfälle gegeben als im 2019. Und dazu verletzten sich auch mehr als im Vorjahr.

Christian
Brändli
Mittwoch, 10. März 2021, 17:32 Uhr Unfallstatistik 2020
Insgesamt gab es zwar weniger Unfälle im Kanton, aber «schwache Verkehrsteilnehmer» wurden häufiger verletzt.
Symbolfoto: PD

Fast jeder fünfte Unfall, der von der Polizei kantonsweit im 2020 erfasst worden ist, ereignete sich in der Region. 2933 waren es genau. Damit hat es hier nicht nur häufig gekracht, sondern im Unterschied zur Entwicklung im gesamten Kanton auch mehr als noch im Jahr zuvor. Im 2019 wurden in den drei Oberländer Bezirken sowie den drei auch im Tösstal liegenden Gemeinden Turbenthal, Zell und Schlatt insgesamt 2431 Kollisionen gezählt.

Fünf starben auf der Strasse

Was aber besonders schwer wiegt, ist die Zunahme der Unfälle mit Verletzten. Im 2019 waren es noch 547, im 2020 dann aber 615. Und hier hat sich das Geschehen gleich wie im Kanton entwickelt: Es gab mehr schlimme Unfälle, bei den sich Leute schwer verletzten oder sogar getötet wurden. 

Fünf Personen kamen im letzten Jahr in der Region auf der Strasse ums Leben, je eine in Dübendorf, Dürnten, Uster, Weisslingen und Wetzikon. Im 2018 waren es drei gewesen. Im ganzen Kanton Zürich starben 30 Leute im Verkehr. Am wenigstens Tote gab es im 2016/17 als 22 Leute auf Zürcher Strassen umkamen. Der traurige Höchststand wurde 1971 erreicht, als 260 Tote gezählt wurden.

Deutlich mehr Unfälle mit Zweirädern

«Die Zunahme der schweren Personenunfälle ist im Wesentlichen auf die starke Zunahme von Zweiradunfällen zurückzuführen», erklärte Frank Schwammberger, Chef der kantonalen Verkehrspolizei am Mittwoch an einer Medienkonferenz. «70 Prozent aller getöteten oder schwer verletzten Verkehrsteilnehmer waren Zweiradlenker», ergänzte Schwammberger, der  das vor allem darauf zurückführte, dass es im Coronajahr und zusammen mit dem schönen Wetter zu mehr Freizeitverkehr von Velofahrerinnen, E-Bikern und Töfflenkern gekommen sei.

Mehr Verletzte

In der Auswertung, die die Kantonspolizei präsentierte, wurden zwar noch nicht die Unfallschwerpunkte präsentiert, doch es gab Angaben zu den Unfällen in den einzelnen Gemeinden. In der Hälfte der 34 Gemeinden in der Region gingen die Unfallzahlen im 2020 gegenüber dem Vorjahr zurück und nur in 6 nahmen sie markant zu. Doch dieser Anstieg war so stark, dass gesamthaft die Zahl höher liegt.

In mehreren Gemeinden wie in Volketswil, Rüti, Wetzikon, Zell oder Wila, in denen es weniger krachte, waren die Folgen umso schwerer, wenn es dann zum Tätsch kam. Besonders krass war diese Entwicklung in Hittnau. Dort gab es im 2020 nur noch die Hälfte der Verkehrsunfälle wie im Jahr zuvor. Gleichzeitig verletzten sich aber neun Leute, im 2019 war es nur eine Person.

Unfallträchtiges Brüttisellerkreuz

Die Zahl der Unfälle korreliert in der Region mit Grösse der Ortschaft. Im 2020 lag Uster mit 298 Unfällen an der Spitze, gefolgt von Dübendorf mit 240, Wetzikon mit 197, Volketswil mit 159 und Illnau-Effretikon mit 138.

Völlig aus dem Raster fällt dagegen Wangen-Brüttisellen. 122mal hat es dort geknallt. Zu einem guten Teil liegt das daran, dass auf Gemeindegebiet das Brüttisellerkreuz liegt. So haben sich alleine 82 Kollisionen auf der Autobahn ereignet. Bei den meisten gab es nur Sachschaden. Aber es gab doch auch 25 Verletzte, 5 davon schwer. Genau gleich viel gekracht wie in Wangen-Brüttisellen hat es in Hinwil. Und in Pfäffikon musste die Verkehrspolizei 110-mal  rapportieren. Am wenigstens Unfälle in der Region wurden in Wildberg verzeichnet: 3 mit Blechschaden

Sonderfälle Wila und Weisslingen

Zwei kleinere Gemeinden, Weisslingen und Wila, fallen besonders auf. Dort gab es mit 20 respektive 19 Verkehrsunfällen zwar recht wenige Ereignisse. Doch wenn es krachte, dann zünftig: In Weisslingen verletzten sich neun, zwei davon schwer, und in Wila gab es acht Verletzte, davon drei Schwerverletzte. Gleich sieben Senioren waren dort in Unfälle involviert.

Unsichere 30er-Zonen

Und schliesslich zeigte sich, dass 30er-Zonen nicht per se sicherer sind. In Fällanden wurden von den 65 Unfällen 5 in solchen Langsam-Zonen verzeichnet. Gar jeder sechste Unfall, nämlich 17, ereignete sich in Pfäffikon in 30er- und Begegnungszonen. Noch höher ist dieser Anteil in Rüti: Von insgesamt 66 wurden 25 Unfälle in 30er-Zonen gezählt.

Mehr Freizeitverkehr wegen Corona

Auf den Strassen im Kanton Zürich haben sich im vergangenen Jahr 14'911 Unfälle ereignet. Das sind rund 7 Prozent weniger als im Durchschnitt der fünf vorherigen Jahre. Die Zahl der Schwerverletzten stieg von 582 auf 591, die der Toten von 25 auf 30, wie die Kantonspolizei Zürich am Mittwoch mitteilte. Wiederum waren rund 85 Prozent aller Schwerverletzten oder Getöteten sogenannte «schwache Verkehrsteilnehmer», also Fussgänger oder Zweiradfahrende.

Unterschiedliche Auswirkungen hatte die Corona-Pandemie. So ging der allgemeine Verkehr zurück, was auch zu weniger Unfällen als in den Vorjahren führte. Allerdings gab es mehr Freizeitverkehr und durch die langen Schönwetterphasen waren mehr Zweiräder unterwegs. Zusammen mit dem anhaltenden Trend zum Kauf von Velos, E-Bikes und Motorrädern hatte dies laut Polizei den grössten Einfluss auf die Entwicklung der Unfallzahlen.

Die Kantonspolizei sieht offensichtlichen Handlungsbedarf im Bereich der Zweiradunfälle. Daher startet sie eine neue Kampagne zur Motorradsicherheit, bei der gleichzeitig das Problem «Lärm» thematisiert wird. Die E-Bike-Kampagne wird weitergeführt.

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