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Nachtnetz wird umgekrempelt

Mehr Busse gibt’s im Oberland erst ab Ende 2022

Dem Zürcher Verkehrsverbund ZVV fehlt wegen Corona das Geld für einen breiten Fahrplanausbau. Die Region muss sich gedulden. 

Christian
Brändli
Dienstag, 09. März 2021, 18:00 Uhr Nachtnetz wird umgekrempelt
Auf 2023 hin sollen am frühen Morgen mehr Busse im Oberland –​​​​​​​ im Bild der Bushof Wetzikon –​​​​​ unterwegs sein.​​​​​​​
Foto: VZO

Und wieder einmal ist die Coronapandemie schuld: Der ZVV kann für 2022 und 2023 sein Netz nur in sehr begrenztem Rahmen ausbauen. Bahn und Bus sind weniger ausgelastet. Dadurch müssen die Steuerzahler in den nächsten Jahren für höhere Defizitbeiträge geradestehen – und das bei einem fast unveränderten Angebot. Da bleibt nur wenig Geld übrig für einen Ausbau. 

Anpassungen bei Effretikon

Die meisten geplanten Änderungen, zu denen sich nun die Bevölkerung äussern kann (siehe Box), betreffen das Busangebot und erfolgen zudem erst im Dezember 2022. Bereits auf den nächsten Dezember hin gibt es allerdings im Raum Effretikon einige Änderungen. Zur Verbesserung der Pünktlichkeit und Stabilität im sehr stark befahrenen Korridor Winterthur–Effretikon wird der Halt in Kemptthal von der S7 auf die S24 verschoben. Abends ab 21.20 Uhr, wenn die S24 nur noch auf dem Abschnitt Zug–Effretikon verkehrt, wird die S7 allerdings weiterhin in Kemptthal halten.

Wegen dieses Wechsels ist es nicht möglich, mit der Buslinie 650 den Anschluss auf die S24 am Bahnhof Kemptthal nach Winterthur zu gewährleisten. Deshalb verkehrt diese Linie nicht mehr zum Bahnhof Kemptthal, sondern nur noch bis Winterberg. Dort wechselt der Bus der Linie 650 die Nummer und verkehrt als neue Linie 657 via Grafstal nach Bahnhof Effretikon weiter. Mit der neuen Linie, die ganztägig im Halbstundentakt verkehrt, entstünden in Effretikon nach Ansicht des ZVV «attraktive Anschlüsse» auf die S19 und S24 nach Zürich. Für die wegfallenden S-Bahn-Anschlüsse in Kemptthal nach Winterthur besteht mit der Linie 650 am Bahnhof Effretikon eine Anschlussmöglichkeit nach Winterthur.

Wegen der neuen Linie werden die Morgenspitzenkurse der Linie 655 von Thalegg zum Bahnhof Effretikon und die Abendspitzenkurse Bahnhof Effretikon nach Thalegg aufgehoben. Vor allem die Haltestelle Zentrum Effretikon wird ab kommendem Dezember viel besser bedient. Zu den Spitzenzeiten legen dort die Busse der Linien 658 und 662 einen Stopp ein, zudem bedient die Linie 659 ganztags diese zentrale Haltestelle.

Tempo 30 bremst auch Busse

Neben den finanziellen Auswirkungen der Coronapandemie machen dem öffentlichen Verkehr auch zusätzliche Tempo-30-Zonen zu schaffen. Die Auswirkungen solcher Temporeduktionen seien «beträchtlich», heisst es in der ZVV-Mitteilung. So würden Fahrzeiten, Reiseketten und Kosten aufgrund des Mehrbedarfs an Fahrzeugen steigen.

Auswirkungen haben solche Beschränkungen aber auch aufs Haltestellennetz, wie sich am Beispiel der Linie 857 Bahnhof Wetzikon übers Spital zum Zentrum zeigt. Dort kann mit Einführung von Tempo 30 die Haltestelle Zentrum während den Hauptverkehrszeiten am Abend nicht mehr bedient werden. 

In Rüti wird wegen Strassenbauten wird auf dem Rundkurs 884 vom Bahnhof zum Bergacher die Haltestelle Moosstrasse aufgehoben und durch eine neue Haltestelle Sternenplatz auf der Ferrachstrasse ersetzt. Infolge von Strassenbauprojekten werden die Haltestellen Drei Eichen und Steinacher zusammengelegt. Der Fahrplan der Linie 884 bleibt unverändert und wird nicht aufgelegt.

Neu konzipiertes Nachtnetz

Auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2021 hin sind im Wesentlichen nur Mittel für das Nachtnetz verfügbar. Der ZVV plant im ganzen Kanton ein neues Nachtnetzkonzept einzuführen. Daraus entsteht im Oberland die neue Nachtbuslinie N85, welche am Wochenende stündlich ab dem Bahnhof Rüti via Wald, Laupen bis nach Steg verkehrt. Laupen wird damit durch den Nachtbus erschlossen. Reisende aus den betroffenen Gemeinden fahren neu mit dem Nachtzug bis nach Rüti und steigen dort in den Nachtbus um. «Die bisher lange Fahrt ab Wetzikon über Dürnten nach Wald entfällt damit», betont Joe Schmid, Vizedirektor der VZO. Die bestehende Linie N88 verkehrt nur noch zwischen Wetzikon – Hinwil bis nach Dürnten an die J.-C.-Heerstrasse.

Wenn dann das Nachtleben nach Corona wieder aufblühen sollte, gibt es für die Nachtschwärmer neue Busverbindungen. (Foto: ZVV)

Einzelne Nachtbuslinien bedienen zudem zusätzliche Haltestellen zum Einsteigen – konkret die N84, die N86 bis Gossau, die N87 innerhalb von Wetzikon und die N88 bis Hinwil. Auf der Linie N84 besteht neu auch eine Rückfahrmöglichkeit: Ab Oetwil am See via Esslingen und Mönchaltorf nach Uster kann an allen Haltestellen eingestiegen werden – mit Anschluss an die SN5 Richtung Zürich.

Mit der neuen Linie N89 von Hinwil nach Wetzikon wird ein solches Rückfahrangebot auch für Hinwil ermöglicht. Allerdings verkehrt damit die Linie N95 nur noch bis Bubikon. Der bisher schwach frequentierte Linienabschnitt zwischen Bubikon und Rüti wird aufgehoben.

Zwei neue Nachtlinien ins Glattal

In der Stadt Zürich verschiebt sich der Knotenpunkt des VBZ-Nachtnetzes vom Bellevue an den Hauptbahnhof. Das hat auch Auswirkungen auf die Linien ins Glattal. Von der N11 werden die Haltestelle Hochbord Nord und Süd in Dübendorf nicht mehr bedient. Als Alternative sollen die umliegenden Haltestellen sowie die Nacht-S-Bahnen über Bahnhof Stettbach genutzt werden.

Die bisherige Linie N17 entfällt und wird zwischen Platte und Sonnental in Dübendorf durch die Linie N6 und die Linie N76 ersetzt. Die beiden neuen Linien N75 und N76 verkehren ab Bahnhof Stettbach. Die N19 vom Bellevue nach Benglen und Fällanden wird eingestellt und weitestgehend durch die neue Linie N74 ersetzt. Diese verkehrt alle 60 Minuten ab Bahnhofstrasse über Pfaffhausen und Benglen nach Fällanden. Zwischen der Bahnhofstrasse und Müseren in Pfaffhausen wird sie durch die Linie N71 zum 30-Minuten-Takt ergänzt. Diese N71 von der Bahnhofstrasse nach Ebmatingen und Maur ist eine weitere neue Linie. Sie wird im Stundentakt verkehren.

Nachtzüge nach Effretikon

Neu strukturiert werden auch die Nachtlinien von Effretikon aus. Effretikon wird neu mit zwei Nacht-S-Bahnen im Halbstundentakt bedient und erhält neben der bestehenden Nachtbuslinie N62 nach Weisslingen die neue Nachtbuslinie N70 von Effretikon nach Winterberg. Die Nachtbuslinien N62 und N70 werden mit einem Bus betrieben. Dadurch stehen auf der Linie N62 nur noch 30 Minuten Fahrzeit zur Verfügung und die Linienführung wird deshalb angepasst. Die Linie verkehrt neu auf direktem Weg zum Bahnhof Illnau und endet neu in Agasul.

Aufgrund der geringen Nachfrage werden in Illnau die Haltestellen Kirche, Steinacher, Wingert und Chrummenacher sowie die Haltestelle Ottikon bei Kemptthal nicht mehr bedient. Als Ersatz für die wegfallenden Haltestellen in Illnau wird neu die Haltestelle Gemeindehaus angefahren. Tagelswangen wird mit der neuen Linie N70 erschlossen.

Punktueller Ausbau – für 2023

Auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2022 hin wird dann vor allem zu den Randzeiten ein punktueller Ausbau vorgesehen. Die S9 wird einen neuen Frühzug ab Bülach erhalten, der in Uster um 5.50 Uhr ankommen wird. Auf der S14-Linie, allerdings mit Ausgangspunkt Rapperswil, wird ein Frühzug ab 4.29 Uhr nach Uster und Zürich HB eingesetzt.

In den frühen Morgenstunden verkehrt zudem eine zusätzliche S15 von Rapperswil (ab 5.14 Uhr) Richtung Zürich Hauptbahnhof. Wie Joe Schmid festhält, reagierten die VZO darauf und liessen ihre Busse in den Oberlandgemeinden ebenso früher ausfahren. Damit entstehen neue Frühverbindungen aus den Regionen nach Zürich und ermöglichen eine Ankunft im Hauptbahnhof bereits um 5.50 Uhr mit Anschluss an die ersten Fernverkehrszüge.

In Wetzikon soll die Buslinie 856 zwischen dem Bahnhof Wetzikon und dem Widum-Quartier neu auch am Samstag im Halbstundentakt verkehren. Die VZO reagieren laut Schmid damit auf eine Petition in den entsprechenden Quartieren. «Diese kann mangels begrenzter Finanzen nur teilweise erfüllt werden. Für die darin zusätzlich geforderten Ausbauten am Abend und am Sonntag stehen keine Mittel zur Verfügung.» Die VZO orten am Samstag das grössere Nachfragepotential und ziehen daher diesen Ausbau den Sonntag- sowie Abendverbindungen vor.

Viertelstundentakt in Dübendorf

Auch die Forchbahn soll nachts zwei zusätzliche Fahrten von Esslingen nach Forch erhalten. Die beiden Buslinien 748 Dietlikon nach Dübendorf und 756 Gfenn nach Bahnhof Dübendorf werden tagsüber neu im Viertel- statt wie bisher im Halbstundentakt verkehren. Und schliesslich soll auf 2023 hin dann mit dem Ende der Bauarbeiten für die Personenunterführung in Winterthur die Betriebsdauer der S11 verlängert werden. Neu wird es ab Sennhof-Kyburg um 22.52 einen Zug nach Zürich geben und von Zürich her einen, der in Sennhof-Kyburg um 22.04 Uhr ankommen wird.

 

Öffentliche Auflage der geplanten Änderungen

Für die Fahrplanjahre 2022 und 2023 sind auf verschiedenen Linien im Zürcher Verkehrsverbund ZVV Anpassungen geplant. Die öffentliche Auflage der geplanten Angebotsänderungen findet vom 8. bis 28. März 2021 statt. Änderungswünsche können schriftlich bis zum 29. März 2021 ausschliesslich in der jeweiligen Wohngemeinde (nicht beim ZVV) eingereicht werden. Die neuen Fahrpläne sind bis Ende März auf der ZVV-Webseite https://www.zvv.ch/zvv/de/fahrplan/fahrplanverfahren.html einsehbar.

Nach Abschluss der öffentlichen Auflage werden die Gemeinden, die Verkehrsunternehmen und die Regionalen Verkehrskonferenzen alle Begehren beurteilen. Letztlich wird der Verkehrsrat den Fahrplan 2022/2023 genehmigen.

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