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Dank DNA-Spur

77-Jähriger kommt nach 23 Jahren vor Gericht

Im Juli 1997 ist eine 86-jährige Frau in ihrer Villa an der Goldküste getötet worden. Über Umwege sind die Ermittler auf den möglichen Täter gestossen.

Agentur
sda
Montag, 23. November 2020, 12:43 Uhr Dank DNA-Spur
Der nun in Meilen angeklagte Italiener musste sich 2018 in Thun für einen anderen brutalen Raubüberfall verantworten.
Zeichnung: Karin Widmer

Es ist ein seit 23 Jahren ungeklärter Mordfall, der nun vor Gericht kommt.

Anfang Juli 1997 hatte die Kantonspolizei in einer Villa in Küsnacht die Leiche einer hochbetagten Frau gefunden. Sie lag gefesselt in der Waschküche, weshalb die Ermittler von einem Tötungsdelikt ausgingen.

DNA half zuerst nicht weiter

Die Millionärin war vor ihrem Tod offenbar misshandelt worden. Laut dem «Blick» von damals soll der Täter wild auf die 86-jährige Witwe eingeschlagen haben. Die Frau habe schwere Verletzungen am Kopf, am Hals und an den Armen gehabt, schrieb die Zeitung.

Ob damals nur der Mann am Tatort war oder ob er noch Komplizen hatte, ist nicht bekannt – die Polizei stellte nur die DNA einer männlichen Person sicher. Doch das DNA-Profil passte auf niemanden aus der Datenbank. Trotz umfangreicher Ermittlungen gelang es den Strafverfolgungsbehörden darauf nicht, den Täter ausfindig zu machen.

Die Staatsanwaltschaft sistierte deshalb ihr Verfahren gegen Unbekannt im Jahr 2001 – bis die Kantonspolizei Bern die DNA eines Mannes sicherte, der 2016 in Thun einen Raubüberfall verübt hatte. Das Profil stimmte mit jenem aus Küsnacht überein.

Brutaler Überfall in Thun

Der tatverdächtige Italiener wurde auf Teneriffa verhaftet, wo der damals 73-Jährige in einem Wohnmobil lebte. 2017 wurde an die Schweiz ausgeliefert. Im Juni 2018 wurde er im Kanton Bern wegen Raubs und Nötigung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe verurteilt. Er hatte mit einer Pistolenattrappe ein Ehepaar und die Tochter in ihrer Thuner Wohnung überfallen.

Er fesselte die drei und drohte, sie zu töten. Schliesslich zwang er die Tochter zu Oralsex und nahm Wertsachen an sich. Danach mussten die drei Personen mit dem Täter zu einer Bijouterie gehen, in der die Ehefrau Filialleiterin war. Dort musste sie ihm Schmuck aushändigen. Der Mann befindet sich seit der Verurteilung am Regionalgericht in Thun im ordentlichen Strafvollzug.

Umweg über Spanien

Damit auch die Zürcher Staatsanwaltschaft ihr sistiertes Verfahren wieder aufnehmen konnte, musste das Bundesamt für Justiz zuerst bei den spanischen Behörden ein Nachtragsersuchen stellen, um die bereits erfolgte Auslieferung an die Schweiz auch für den Vorwurf des Mordes nachträglich bewilligen zu lassen, wie die Zürcher Oberstaatsanwaltschat am Montag mitgeteilt hat.

Der Beschuldigte wehrte sich dagegen mit Rechtsmitteln durch alle Instanzen. Die definitive Gutheissung der nachträglichen Auslieferung durch die spanischen Behörden erfolgte schliesslich im Februar 2020.

Mordanklage wegen Verjährung

Dass eine so lange zurückliegende Tat doch noch aufgearbeitet und vor der 30-jährigen Verjährung zur Anklage gebracht werden kann, «zeigt einmal mehr die Wichtigkeit der DNA-Analyse als unabdingbares Instrument für die Strafverfolgungsbehörden bei der Verbrechensbekämpfung», schreibt die Oberstaatsanwaltschaft.

Die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich hat nun ihr Strafverfahren abgeschlossen und am 16. November 2020 beim Bezirksgericht Meilen Anklage gegen den 77-jährigen Mann erhoben. Ihm wird vorgeworfen, am 4. Juli 1997 in der Absicht, Geld und Wertgegenstände zu entwenden, in die Villa der 86-jährige Frau eingedrungen zu sein und sie ermordet zu haben.

Die Staatsanwaltschaft muss auf Mord plädieren. Bei vorsätzlicher Tötung beträgt die Verjährungsfrist nur 15 Jahre. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt für den 77-Jährigen die Unschuldsvermutung.

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Finde das Mord oder Vergewaltigung auf keinen Fall Verjährt werden darf.
Ist einfach unglaublich das ein oder die Täter nach ein paar Jahren nicht mehr Verurteilt werden könnten??? Verjährung das darf es einfach nicht geben.