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Bezirksgericht Meilen

Kirchen-Brandstifterin von Oetwil muss in Therapie

Agentur
sda
Donnerstag, 19. November 2020, 18:49 Uhr Bezirksgericht Meilen

Eine Frau, die in der Kirche in Oetwil am See einen Brand gelegt hat, ist vom Bezirksgericht Meilen in eine stationäre Therapie eingewiesen worden. Sie brauche nun eine längere, intensive Betreuung, sagte der Richter.

Das Bezirksgericht Meilen sah den Tatbestand der Brandstiftung im Fall des Feuers in der Kirche als erfüllt an, verzichtete jedoch antragsgemäss auf eine Bestrafung. Die Frau habe «vorsätzlich und willentlich» gehandelt, sei jedoch aufgrund ihrer psychischen Krankheit schuldunfähig.

Im Fall eines Feuers, das zweieinhalb Wochen vor dem Kirchenbrand in der Wohnung der Frau ausgebrochen war, erfolgte ein Freispruch. Dieser Brand könnte laut Gericht auch durch einen technischen Defekt ausgelöst worden sein und nicht durch brennende Kerzen, welche die Frau laut der Staatsanwältin unbeaufsichtigt stehen liess.

Die 41-Jährige, die sich seit bald einem Jahr in Haft befindet, wurde zu einer stationären Therapie verurteilt. Dass sie therapeutische Hilfe benötigt, bestreitet heute auch die Frau selbst nicht mehr. Ihr grösster Wunsch wäre allerdings, ins geregelte Arbeitsleben zurückkehren zu können.

Über halbe Million Franken Schaden

Die Frau hatte in der Nacht vom 6. auf den 7. Februar dieses Jahres in der reformierten Kirche in Oetwil am See einen Brand verursacht. Das Feuer an mehreren Stellen im Gotteshaus konnte von der Feuerwehr zwar rasch gelöscht werden, doch verursachten Russ und Rauch im Inneren des Gebäudes einen Schaden in der Höhe von über 600‘000 Franken.

Nach der Tat ging die Frau zurück in die fünf Fussminuten entfernte psychiatrische Klinik, wo sie damals im Rahmen einer fürsorgerischen Unterbringung weilte.

Eine Tat im Wahn

Ja, sie habe das Feuer in der Kirche gelegt, sagte sie nun im Prozess. Doch «es passierte im Wahn», während eines Schubs ihrer manisch-depressiven Erkrankung, an der sie seit über zehn Jahren leidet.

Sie sei an jenem Abend gestresst gewesen und wollte in der Kirche «Stille suchen». Dann sei sie unbemerkt eingeschlossen worden. Und «weil ich extrem gefroren hatte» und aus Ärger über das ihrer Meinung nach schlechte Schliess- und Brandschutzsystem entfachte sie anschliessend mit Kerzen Feuer. Aus der geschlossenen Kirche kam sie, indem sie auf die Empore ging, dort mit einer Vase eine Fensterscheibe einschlug und sich an ihrem Schal abseilte.

«Opfer ihrer Krankheit»

Die Staatsanwältin stufte die Frau aufgrund eines Gutachtens als schuldunfähig ein. Entsprechend verzichtete sie auf einen Strafantrag, forderte aber die Anordnung einer stationären Therapie. Zur Tatzeit sei «die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit der Frau erheblich gestört gewesen», sagte die Staatsanwältin.  

Auch für die Verteidigerin war klar, dass die Angeklagte schuldunfähig ist. Sie verlangte jedoch anstelle der stationären Therapie die weniger einschneidende Form einer ambulanten Behandlung in einer offenen Einrichtung.

Die Verteidigerin betonte, ihre Mandantin habe nie mit Vorsatz gehandelt. Die psychisch kranke Frau sei schlicht nicht in der Lage gewesen, «die Konsequenzen ihres Handelns» vorauszusehen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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