×
Nach Angriff in Uster

Sexualstraftäter-Ausbruch hat politisches Nachspiel

Die Flucht eines Sexualstraftäters, der vor viereinhalb Jahren in Uster eine Joggerin angegriffen hatte, hat nun zu kritischen Fragen im Zürcher Kantonsrat geführt.

Agentur
sda
Montag, 31. August 2020, 11:40 Uhr Nach Angriff in Uster
Ein Sexualstraftäter ist im Juli aus der Klinik für Forensische Psychiatrie in Rheinau geflüchtet. Das führte zu Fragen im Zürcher Kantonsrat. (Symbolfoto: Keystone)

Bei einem unbegleiteten Ausgang ist am 1. Juli dieses Jahres ein mehrfach verurteilter Sexualstraftäter aus der geschlossenen Abteilung der Klinik für forensische Psychiatrie in Rheinau getürmt. Die Öffentlichkeit haben die Behörden erst nach eineinhalb Tagen darüber informiert.

Zwei Tage nach seiner Flucht wurde er im Zuge einer internationalen Fahndung von der italienischen Polizei in Mailand verhaftet.

Bei dem Mann handelt es sich um einen 33-jährigen abgewiesenen Asylbewerber aus Marokko. Er hatte vor viereinhalb Jahren in Uster eine Joggerin angegriffen. Der Fall hatte damals für eine aufgeheizte Stimmung in der Stadt gesorgt.

Der Vorfall sorgte nun auch auf der politischen Bühne für Gesprächsstoff: SVP und EVP reichten im Kantonsrat eine Dringliche Interpellation ein. Infrage gestellt wurde unter anderem, dass abgewiesene Asylbewerber, welche die Schweiz nach Vollzug einer Freiheitsstrafe verlassen müssen, überhaupt Vollzugslockerungen erhalten, etwa begleiteten oder unbegleiteten Ausgang. Die Massnahmen dienen der Wiedereingliederung.

Kein Ausgang für gefährliche Straftäter

Laut Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP) besteht gemäss Gesetz der Anspruch auf Vollzugslockerung, wenn die gesetzlichen Anforderungen erfüllt sind, unabhängig davon, ob jemand das Land nach Verbüssen der Strafe verlassen müsse oder nicht. Gehe man davon aus, dass ein Straftäter zu gefährlich sei, würde keine Vollzugslockerung gewährt.

«Es gibt Leute, die muss man einfach wegsperren, fertig.»

Hans-Peter Amrein (SVP), Kantonsrat aus Küsnacht

Fehr räumte jedoch ein, dass die Kommunikation bei Ausbrüchen von Straftätern verbessert werden könne. Sobald eine Institution von einem Ausbruch wisse, müsse sie umgehend die Behörden der Standortgemeinden informieren.

Kantonsrätinnen und Kantonsräte der SVP forderten ein grundsätzlich strengeres Vorgehen. «Ich hoffe, dass bei Vollzugslockerungen für potenziell gefährliche Straftäter künftig anders entschieden wird», sagte Erstunterzeichnerin Nina Fehr Düsel (SVP, Küsnacht).

Noch etwas grundsätzlicher äusserte sich Hans-Peter Amrein (SVP, Küsnacht). «Es gibt Leute, die muss man einfach wegsperren, fertig.»

Markus Späth (SP, Feuerthalen) kritisierte die polemischen Töne, die der Vorstoss unnötigerweise mit sich bringe. Auch er forderte jedoch von der Justizdirektion eine raschere Kommunikation bei Ausbrüchen von möglicherweise gefährlichen Straftätern.

Kommentar schreiben

Kommentar senden

Jeder Sozialhilfebezüger, Arbeitsloser oder IV-Rentner wird härter angefasst als ein notorischer Schwerverbrecher. Zum Glück fällt unseren Politikern immer irgendeine Ausrede ein, um die Verantwortung abzuschieben.