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Verurteilt für Kuh-Quälerei, aber nicht bestraft

Fall im Schlachthof Hinwil

Verurteilt für Kuh-Quälerei, aber nicht bestraft

Unerwarteter Ausgang des Prozesses gegen zwei Verantwortliche des Schlachthofs Hinwil wegen Tierquälerei: Der eine Angeklagte wurde schuldig gesprochen, der andere freigesprochen. Doch auch der Verurteilte kommt ohne Strafe davon.

Ernst
Hilfiker
Mittwoch, 20. November 2019, 15:19 Uhr Fall im Schlachthof Hinwil
Im Prozess gegen zwei Verantwortliche des Hinwiler Schlachthofes kam es zu einem Schuldspruch und einem Freispruch.
(Archivfoto: Seraina Boner)

Ein Tierarzt, der damals Leiter der amtlichen Tiergesundheits- und der Fleischkontrolle war, und der Leiter des Zentralschlachthofs Hinwil mussten sich vor einer Einzelrichterin des Bezirksgericht Hinwil verantworten, weil ihnen vorgeworfen wurde, sie hätten eine Kuh vor dem Schlachten schlecht behandelt. Der Vorfall liegt bald fünf Jahre zurück. Die angelieferte Kuh wollte damals nicht aus dem Transportanhänger aussteigen, worauf unter anderem mit Stromstössen versucht wurde, das Tier zum Laufen zu bewegen. Schliesslich musste die Kuh direkt am Ausladeort getötet werden.

Freisprüche verlangt

Die Staatsanwaltschaft klagte die beiden Männer wegen Tierquälerei ein und forderte Bussen und bedingte Geldstrafen. Die Verteidigung verlangte Freisprüche.

Die zwei Angeklagten selbst erklärten, sie hätten damals nichts falsch gemacht. Zudem sei nirgends geregelt, wie man denn in einem solchen Vorfall, wie er sich immer wieder mal ereignet, am besten vorgehe.

Einmal Kostenauflage, einmal Entschädigung

Nachdem der Fall im Oktober verhandelt worden war, gab das Gericht nun am Mittwochnachmittag sein Urteil bekannt – und es ist eher ungewöhnlich: Der heute 58-jährige Tierarzt wurde der Tierquälerei schuldig gesprochen, der 64-jährige Schlachthofleiter freigesprochen. Bestraft wird der Verurteilte jedoch nicht; er muss aber ein paar wenige tausend Franken Verfahrensgebühren zahlen. Der Freigesprochene hingegen erhält eine Entschädigung von 12‘000 Franken, mit der er seine Anwaltskosten bezahlen kann.

Keine absichtliche Quälerei

Den Freispruch begründete die Richterin damit, dass nach dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» davon ausgegangen werden müsse, dass der Schlachthofleiter kaum etwas von dem ganzen Vorfall mit der Kuh, zu dem er erst in der letzten Phase gerufen wurde, gewusst habe.     

Was die Rolle des verurteilten Tierarztes betrifft, der von Anfang an beim Vorfall dabei war, anerkannte das Gericht, dass es tatsächlich ein offenbar ungeregelter «Missstand» sei, dass kein Prozedere existiere, das regle, wie man bei einer sogenannt «festliegenden Kuh» vorgehe. Doch der Veterinär habe zu lange zugesehen, wie man versuchte, das Tier, das nicht mehr laufen konnte, mit «unnötigen und untauglichen» Massnahmen zu bewegen. Die Kuh hätte früher getötet werden müssen.

«Sie haben dieses Delikt durch Passivität begangen.»
Die Richterin zum Tierarzt

Dass der Arzt wegen Tierquälerei verurteilt wurde, sei folglich nicht darauf zurückzuführen, dass er in quälerischer Absicht vorging, sondern auf seine Unterlassung, früher den Tötungsentscheid zu fällen: «Sie haben dieses Delikt durch Passivität begangen.»

Dennoch wird der 56-Jährige nicht bestraft – eine gesetzliche Regelung macht das für ganz bestimmte Fälle möglich. Ein Fall, wie er nach Ansicht des Gerichtes auch hier vorliegt, weil «die Schuld und die Tatfolgen geringfügig sind». – Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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