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«Carlos» soll verwahrt werden

Prozess in Abwesenheit

«Carlos» soll verwahrt werden

Der Angeklagte hat sich geweigert, zur Gerichtsverhandlung gegen ihn zu erscheinen. Die Staatsanwaltschaft fordert eine mehrjährige Gefängnisstrafe sowie die anschliessende Verwahrung.

Redaktion
Züriost
Mittwoch, 30. Oktober 2019, 12:20 Uhr Prozess in Abwesenheit
Der Angeklagte bleibt während des Prozesses in seiner Zelle. (Foto: Christian Merz)
Christian Merz

Im Prozess gegen «Carlos» forderte der Staatsanwalt heute morgen die Verwahrung des Beschuldigten im Anschluss an eine Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren. 

Sondereinheit sollte ihn ans Gericht bringen

Der Angeklagte weigerte sich, zur Verhandlung zu erscheinen. Ein im Vorfeld gestelltes Dispensationsgesuch wollte das zuständige Bezirksgericht Dielsdorf zuerst nicht bewilligen. «Wir haben deshalb die Einsatzgruppe Diamant der Zürcher Kantonspolizei damit beauftragt, den Beschuldigten in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies abzuholen und zur Verhandlung zu bringen», sagte der Vorsitzende Richter Marc Gmünder zu Beginn. Man habe mit der Sondereinheit jedoch auch vereinbart, keine Gewalt anzuwenden, falls er sich weigern sollte. Dies wäre unverhältnismässig. 

«Der Beschuldigte hat die Sondereinsatzkräfte heute Morgen in seiner Zelle mit lauter Musik und erhobenen Fäusten empfangen», so Gmünder weiter. Man habe ihn im Gespräch zwar beruhigen können, aber er weigerte sich standhaft, zur Verhandlung zu erscheinen. Deshalb habe man das immer noch hängige Dispensationsgesuch bewilligt. Die Verhandlung, die aus Platzgründen nicht in Dielsdorf, sondern in einem Saal des Bezirksgerichts Zürich durchgeführt wird, findet somit ohne den Beschuldigten statt.

Psychischer Zustand «dramatisch»

Gemäss dem Dispensationsgesuch hat die mittlerweile 14 Monate dauernde Isolationshaft dem Angeklagten schwer zugesetzt. Sein psychischer Zustand habe sich mehr und mehr verschlechtert und sei mittlerweile dramatisch. Er sei auch mehrfach vorübergehend in die Psychiatrische Klinik Rheinau verlegt worden. 

Der schwerwiegendste Vorfall, der verhandelt wird, ereignete sich Ende Juni 2017 in der Strafanstalt Pöschwies. In einem Gespräch wurde dem kräftigen Kampfsportler angekündigt, dass er in die Sicherheitsabteilung zurück versetzt werde. Nachdem er zuerst verbal dagegen protestierte, schlug er einen der anwesenden Angestellten der Justizvollzugsanstalt mit der Faust.

Als dieser zu Boden ging, soll er weiter auf ihn eingeschlagen haben. Erst eine aus fünf Männern bestehende Interventionseinheit konnte den Angriff beenden. Der Angegriffene erlitt verschiedene Verletzungen und war mehrere Monate lang arbeitsunfähig.

In der 26-seitigen Anklageschrift sind 19 Vorfälle aufgelistet, bei denen «Carlos» Angestellte von Justizvollzugsanstalten oder Mithäftlinge angegriffen haben soll. Auch Sachbeschädigungen, Drohungen und Beschimpfungen werden ihm vorgeworfen.

«Carlos» wuchs als Sohn eines Schweizer Vaters und einer Mutter mit kamerunischen Wurzeln unter schwierigen Bedingungen auf. Bereits im Alter von zehn Jahren wurde er ein erstes Mal verhaftet und in Handschellen abgeführt.

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Carlos scheint es zu geniessen, so ziellos von Prozess zu Prozess herumgeschoben zu werden. Haben denn die Verantwortlichen nie etwas von Handschellen u/o Fussfesseln gehört? Ja, die Steuerzahler lassen sich gerne melken, weil dieser Schnudergof scheinbar noch nie richtig in die Mangel genommen wurde. Und zum nächsten Gerichtstermin braucht es gewiss keine Armee Polizisten, bei anderen Strafgefangenen reichte es - eben - mit Handschellen u/o Beruhigungsspritzen (wie beim lieben Vieh beim Gang ins Schlachthaus), wenn es schon etwas kosten darf.....

Einen dümmeren Kommentar gibt es echt nicht. Das Ganze ist meines Erachtens ein Versagen der Behörden, inclusive der Psychiatrie. Liest man die Geschichte diese "Carlos", fällt auf, dass da Einiges im Argen liegt. Die Psychiatrie ist am Anschlag und weiss sich nicht mehr zu helfen und die Vollzugsbehörden lassen Ihre Entscheide immer von Psychiatern absegnen.