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«Schuld sind die Autofahrer»

Gefährlicher Bahnübergang in Uster?

«Schuld sind die Autofahrer»

Die Kollision einer S-Bahn mit einem Auto am Ustermer Bahnhof vom Mittwoch beschäftigt die Einheimischen. Viele halten den Bahnübergang für gefährlich.

Joel
Probst
Donnerstag, 17. Januar 2019, 15:09 Uhr Gefährlicher Bahnübergang in Uster?
Einen Verletzten forderte die Kollision einer S-Bahn mit einem Auto.
Leserreporter 20 Minuten

«Dass so etwas passieren wird, war absehbar», sagt eine Fussgängerin. Eben überquerte sie den Bahnübergang in Uster, auf dem gestern ein Zug mit einem Auto kollidierte. Sie gibt zu bedenken, dass viele Autofahrer das Klingeln und die langsame Senkung der Barrieren ignorierten und trotzdem zufahren. Doch auch die Risikobereitschaft der Fussgänger sei gross. Viele Passanten würden im letzten Moment noch über die Geleise rennen.

Eine Anwohnerin nimmt ebenfalls die Lenker in die Pflicht: «Schuld sind die Autofahrer», sagt sie. Die Automobilisten provozierten gefährliche Situationen selbst, denn die Barriere biete genug Zeit zur Überquerung. Das Problem sei, dass die Autofahrer bei Stau nicht vor der Bahnschranke warten, sondern bis auf die Geleise aufschliessen würden. Einen Unfall auf dem Bahnübergang habe sie allerdings noch nie miterlebt.

«Er kann froh sein, dass er noch lebt.»

Userin auf Social Media

Auch die Mitarbeiter der umliegenden Kioske berichten, dass dies – soweit sie sich erinnerten – der erste Unfall auf dem Bahnübergang sei. Für gefährlich halten sie den Übergang allerdings nicht. Die Autofahrer hätten genug Zeit, um ihn zu überqueren.

Sirine (35) hält den Ustermer Bahnübergang für gefährlich. (Video: Rosa Schmitz/Lukas Elser)

Held oder «Vollidiot»?

Auf Facebook sorgt vor allem der Helfer für heftige Diskussionen, der das Auto von den Geleisen zu manövrieren versuchte. Er stieg ins Auto, als eine Dame das Gefährt auf dem Bahnübergang stehen liess. Schliesslich krachte der Zug in das Auto, der Helfer konnte glücklicherweise ohne schwere Verletzungen wieder aussteigen. In den Kommentarspalten wird er gleichwohl als Held gefeiert, aber auch als «Vollidiot» tituliert. «Dass er überhaupt noch ins Auto einstieg, ist birreweich. Er kann froh sein, dass er noch lebt», schreibt ein User.

 «Der Mann hatte über tausend Schutzengel.»

Nutzerin auf Social Media

Andere zeigen mehr Verständnis oder gar Bewunderung für das Handeln des Mannes: «Der Arme, er meinte es gut, brachte sich dabei aber selber in Lebensgefahr», schreibt eine Nutzerin. «Schön von diesem Herrn, der zu helfen versuchte und dafür leider einen Crash als Quittung entgegen nehmen musste», so eine andere Stimme.

Wie verhalten?

Auch über das richtige Verhalten in dieser Situation wird auf Facebook sinniert. Der Grundtenor: Sowohl der Helfer als auch die Fahrerin hätten die Bahnschranke durchbrechen oder das Auto stehen lassen sollen. Auch die Kapo empfiehlt, sich so zu verhalten (siehe Box). «Der Mann hatte über tausend Schutzengel», schreibt eine Nutzerin über die Kollision.

Nicht zuletzt wird auch an der Person, die den Unfall filmte, Kritik laut: «Filmen anstatt zu helfen. Da sieht man, wie die Menschheit tickt.» Andere erwidern, sie hätte gar nicht helfen können.

Auch Forderungen nach einer Unterführung für Autos und Fussgänger werden auf Facebook laut. Ein Nutzer fragt: «Wann lernt Uster, etwas für die Sicherheit im Strassenverkehr zu tun?»

Hier kracht der Zug in Uster in ein Auto. (Video: Leserreporter)

Tipps der Kantonspolizei Zürich

So sollten sich Lenker verhalten, wenn sie auf einem Bahnübergang von den Schranken eingesperrt werden: «Geben Sie Gas und durchbrechen Sie die Schranke», rät die Kantonspolizei Zürich. Die Schranken hätten eine Sollbruchstelle und seien so konstruiert, dass sie auch mit einem Kleinwagen durchbrochen werden können.

Falls ein Autofahrer hingegen auf einem Bahnübergang eine Panne habe und das Fahrzeug nicht mehr bewegen könne, gelte es, dieses umgehend zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Dann sei die Notrufnummer 117 zu wählen.

Ausserdem ruft die Polizei den Autofahrern die Regeln beim Überqueren des Bahnübergangs in Erinnerung: «Nähern Sie sich dem Bahnübergang langsam und sind Sie bremsbereit.» Vorausfahrende Fahrzeuge dürften auf keinen Fall überholt werden. Wenn Stau herrsche, müsse vor dem Bahnübergang angehalten werden. Losfahren könne man erst, wenn der Bahnübergang komplett überquert werden kann. Die Blinksignale an Bahnübergängen seien wie eine Ampel, bei rot müsse angehalten werden.

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Wie das Video zeigt, wurde falsch gemacht, was man falsch machen konnte.
Angefangen beim Zusteigen ins Auto, weiter über den Versuch das Auto "neben" Gleis 1 zu stellen statt die Schranke zu durchbrechen oder wenigstens in den sicheren Raum der Geleise 3 oder 2 zu manövrieren.
Allenfalls hat der Helfer jetzt gar noch Versicherungs-Regress oder Anzeigen zu befürchten.

Die unsägliche Verkehrs-Situation in Uster, mit Barrieren die 45-50min/h provoziert allerdings solche Situationen. Wer sich bei der alten Blinksignalisation korrekt verhielt und auf das Blink-Ende bei komplett geöffneten Barrieren wartete, wurde zugehupt. Dies wurde inzwischen zwar geändert dennoch probieren alle Verkehrsteilnehmer, Autofahrer wie LKW (& Velofahrer & Fussgänger) die kurze Lücke möglichst noch für sich zu nutzen, bevor teils nach wenigen Sekunden schon der nächste Schliess-Zyklus beginnt.

Angesichts der nahenden Takterhöhung des ZVV mit "S-Bahn 2G", des wahrscheinlichen Endes des Projekts Überführung West/Loren, sowie der anstehenden und/oder diskutierten Vorhaben rund um die Bahnlinie in Uster, wäre ein guter Zeitpunkt um eine Auslegeordnung und offene Diskussion aller beteiligten Akteure (Stadt, Kanton, Bund, ZVV/SBB) zu führen.
Gerade im Rahmen der Stadtraumplanung 2035 dürfte die Frage, "wie könnte Uster mit unterirdischer Linienführungder Bahn" durchaus interessant werden.
Nicht nur würde die faktische Zweiteilung des Zentrums aufgehoben, auch für den aus den Nähten platzenden und mit Rollstuhl gerechtem Ausbau um zwei Plattformen reduzierten Bushof, würden sich neue Perspektiven bieten. Nebst Freiräumen zB auch für sichere Velo(schnell)trassen.

Denn eines ist sicher: besser wirds nimmer, und günstiger wird ein Flickenteppich an Einzellösungen rund ums Gleis, von Werrikon bis ins Aathal auch käumlich.