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«Ich habe meinem Mann gesagt, er soll die Türe abschliessen»

Nach Schüssen in Rüti

«Ich habe meinem Mann gesagt, er soll die Türe abschliessen»

In der Nacht auf den 25. Dezember wurde in Rüti der Wirt des Restaurants Bären erschossen. Der Täter ist weiterhin flüchtig. Erste Indizien geben Hinweise darauf, was in der Nacht passiert sein könnte.

Manuel
Bleibler
Mittwoch, 26. Dezember 2018, 13:31 Uhr Nach Schüssen in Rüti

Beim Eingang zum Restaurant Bären in Rüti flackern zwei Kerzen im Wind. «Schade, dass dein Leben so früh enden musste. Ich werde dich nie vergessen. Danke für alles und ruhe in Frieden», steht daneben auf einer handgeschriebenen Notiz.

Es sind die Spuren einer Tragödie. In der Nacht auf den 25. Dezember kam es hier zu einer tödlichen Schiesserei. Kurz vor 2 Uhr gab ein Unbekannter laut Kantonspolizei mehrere Schüsse auf das Gebäude ab. Der «Bären»-Wirt erlitt dabei tödliche Verletzungen. Weitere Personen, die sich zum Tatzeitpunkt in dem Gastbetrieb aufhielten, bleiben unverletzt.

Der Täter floh in unbekannte Richtung. Die sofort eingeleitete Fahndung blieb bislang erfolglos (wir berichteten). Der nähere Tathergang und die Hintergründe der Auseinandersetzung seien noch unklar und würden derzeit untersucht, so die Polizei.

Laufende Untersuchung

Die Spuren vor Ort lassen jedoch erahnen, was sich in der Nacht nach Heiligabend an der Ferrachstrasse abgespielt haben könnte. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite zeigen fünf weisse Markierungen am Boden, wo die Polizei die Patronenhülsen sicherstellte. Der Täter stand wohl im Schutz des Nachbargebäudes und feuerte von dort auf das Restaurant.

Hat der Täter im Schutze des Nachbarsgebäude gelauert?

An der Fassade des «Bären» gibt es keine Anzeichen für die Schiesserei – Einschusslöcher fehlen. Doch die Fensterläden im Erdgeschoss sind fest verschlossen. Schoss der Täter durch das Fenster auf die Personen im Innern? Die Kantonspolizei will diese Vermutung auf Anfrage nicht bestätigen und verweist auf die laufende Untersuchung. Auch die Kommunalpolizei Rüti war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. 

Erneut die Ferrachstrasse

Nach der Tat sperrte die Polizei die Strasse vor dem Haus ab. «Ich habe erst mitbekommen, was passiert ist, als ich am Morgen aus dem Fenster schaute und die Polizeiautos vor dem Haus sah», erzählt ein Anwohner.

«Ich habe meinem Mann gesagt, er solle die Türe abschliessen. Schliesslich ist der Täter noch auf der Flucht.»

Eine Spaziergängerin

Eine ältere Spaziergängerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sagt: «Es ist nicht das erste Mal, dass so etwas in Rüti passiert». In der Tat sind an der Ferrachstrasse schon einmal Schüsse gefallen. Bereits 2005 kam es – nur wenige Häuser entfernt – zu einem ähnlichen Zwischenfall. Ein damals 20-Jähriger feuerte kurz vor Weihnachten mit seinem Sturmgewehr 41 Kugeln aus seinem Fenster und verletzte dabei zwei Personen schwer. 

Zweifelhafter Ruf

Die Ereignisse wecken bei so manchem Rütner Erinnerungen an die Tat von vor 13 Jahren. So sagt die ältere Frau weiter: «Die Verletzte von damals war eine Freundin von mir.» So etwas erwarte man in einem kleinen Ort wie Rüti nicht, aber es könne überall passieren. «Ich habe meinem Mann gesagt, er solle die Türe abschliessen. Schliesslich ist der Täter noch auf der Flucht.» 

Gemeindepräsident Peter Luginbühl (FDP) sagt auf Anfrage: «Es soll sich um ein gezieltes Tötungsdelikt handeln. Ich kann die Bevölkerung insofern beruhigen, dass keine unmittelbare Bedrohung herrscht.»

«Ich glaube, von der alteingesessenen Bevölkerung ging niemand dort hin.»

Charly Engelhard, Inhaber des Restaurants Sternen

Beim Opfer handelt es sich um einen 51-jährigen Mann aus Mazedonien. Sein Restaurant hatte im Dorf offenbar einen zweifelhaften Ruf. «Ich glaube, von der alteingesessenen Bevölkerung ging niemand dort hin», sagt Charly Engelhard, Inhaber des Restaurants Sternen, das sich an der gleichen Strasse befindet. Er selber habe den «Bären»-Wirt nicht persönlich gekannt und sei auch noch nie in der Beiz gewesen. «Das waren wie zwei verschiedene Welten.» Er könne sich nicht vorstellen, dass das Lokal rentiert habe, «so wie dort gewirtschaftet wurde».

Gerüchte um Mafia-Aktivitäten

Auch einigen Anwohnern war der «Bären» suspekt. «Die Polizei war öfter vor Ort. Ich habe das jeweils von der Terrasse aus mitbekommen», sagt ein ehemaliger Nachbar, der kürzlich wegzog. Gerüchten zufolge sei der Betreiber irgendwie in Mafia-Aktivitäten verwickelt gewesen. «Ich hörte, dass es einen Konflikt gab zwischen seiner Familie und einem anderen Clan.»

Diese Gerüchte wurden inzwischen auch in verschiedenen Medien kolportiert. Gemäss «Blick» und «20 Minuten» könnte der Wirt Opfer einer Blutrache geworden sein, der Gratiszeitung liegt offenbar eine Stellungnahme der Familie vor, die das Gerücht bestätigt. Die Kantonspolizei Zürich kommentiert das Gerücht auf Anfrage nicht. Gegenüber Züriost will die Familie am Donnerstagmittag Auskunft geben. 

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