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Polizei blitzt überdurchschnittlich viele Schnellfahrer

Auf Hittnauer Schulweg

Polizei blitzt überdurchschnittlich viele Schnellfahrer

Innert weniger als drei Wochen hat die Kantonspolizei Zürich an derselben Stelle in Hittnau drei «erfolgreiche» Tempokontrollen durchgeführt. Sie will deshalb erneut Geschwindigkeitskontrollen durchführen. Doch für die beunruhigten Anwohner reicht das nicht.

Janko
Skorup
Donnerstag, 01. November 2018, 11:54 Uhr Auf Hittnauer Schulweg

Für die Kantonspolizei Zürich ist es Routine: Zum Schutz der jüngsten Verkehrsteilnehmer verstärkt sie nach den Sommerferien jeweils ihre Geschwindigkeitskontrollen im Bereich von Schulhäusern. An der Tösstalstrasse Ausgangs Hittnau befindet sich zwar kein Schulhaus, doch Kinder müssen die Strasse vier Mal am Tag überqueren. So blitzte die Kapo Ende August auch dort – und stellte «um einiges über den üblichen Werten» liegende Überschreitungen fest.

«Die Situation vor Ort verleitet wohl zum schnellen Fahren.»

Claudio Zinsli, Sicherheitsvorstand (FDP)

Deshalb habe man die Kontrollintensität erhöht – innert nicht einmal drei Wochen blitzten die Polizisten an drei Tagen während jeweils gut drei Stunden. Man werde an besagter Stelle weitere Messungen durchführen, sagt Mediensprecher Ralph Hirt. Zusätzliche Massnahmen sind keine geplant, auch wenn die Übertretungsquote von 6,5 Prozent am 25. August auf 8,2 Prozent am 28. August respektive 15,3 Prozent am 12. September zugenommen hat.

Bei Kindern vorsichtiger

Ein Anwohner, der seit zehn Jahren im angrenzenden Wiesegrund-Quartier lebt, spricht von einem neuralgischen Punkt. «Die Autofahrer kommen vom Dorf rauf, sehen das ‹50 aufgehoben›-Schild – und beschleunigen schon da.» Und von Saland her kommend nähmen viele den Fuss erst auf der Höhe des 50er-Schilds vom Gas. Sicherheitsvorstand Claudio Zinsli (FDP) bestätigt: «Die Situation vor Ort verleitet wohl zum schnellen Fahren.»

Gut 150 Meter nach dem Schild folgt ein Fussgängerstreifen. Und den müssen viele Kinder aus dem Quartier für ihren Schulweg nutzen. «Immerhin», sagt der Anwohner, «sind die Autofahrer bei Schulkindern relativ diszipliniert». Das kann Karin Bhend bestätigen. Ihre Söhne Janosh (8) und Nevio (5) laufen allein in die Schule. «Wenn sie ohne Eltern die Strasse überqueren sind die Autofahrer vorsichtiger und aufmerksamer.»

Vom vielen Verkehr überrascht

Trotzdem ist Bhend beunruhigt: «Gefährlich sind vor allem die vielen riesigen Lastwagen, die von ausserorts her kommend wegen dem zu langen Bremsweg oft durchbrausen und so die am Fussgängerstreifen stehenden Kinder verunsichern», sagt sie.

Die Familie ist vor gut einem Jahr nach Hittnau gezogen. «Dass hier so schnell gefahren wird und dass es so viel Verkehr gibt, hätte ich nicht gedacht.» Die besorgte Mutter hat ihren Kindern deshalb strikt vorgeschrieben, erst über den Streifen zu laufen, wenn die Räder der Autos ganz stillstehen. «Genau so, wie sie es von der Polizei gelernt haben.»

«Dass hier so schnell gefahren wird und dass es so viel Verkehr gibt, hätte ich nicht gedacht.»

Karin Bhend, Anwohnerin

Und sonstwo über die Strasse zu laufen, kommt schon gar nicht in Frage. «Sonst müsste ich sie begleiten – das fänden sie wohl nicht so cool.» Sohn Janosh macht grosse Augen und bestätigt: «Darum laufe ich nur über den Fussgängerstreifen.»

«Präventiv läuft viel»

Was sie sonst noch mehr für die Sicherheit ihrer Kinder machen könnte, weiss Karin Bhend nicht. Sie hofft nur, dass nie etwas passiert. Sicherheitsvorstand Zinsli sagt: «Auf die ‹Schulanfang›-Beschilderung wird geachtet und die Kinder werden von der Polizei geschult – präventiv läuft also viel.» Mehr machen könne man natürlich immer.

Der Anwohner fände etwa eine stärkere Schikane und nicht nur eine Fussgängerinsel angebracht. «Lustigerweise geht das andernorts auf Kantonsstrassen auch, bei uns in Hittnau aber offenbar nicht.»

Für Gemeinderat Zinsli, der seit 18 Jahren in Hittnau wohnt, reichen die Massnahmen aus. Auch die Kontrollen der Kapo findet er gut. «Das ist im Sinn der Bevölkerung.»

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