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Mann griff Frau an und drückte ihr Penis ins Gesicht

32-Jähriger für Tat in Dübendorf verurteilt

Mann griff Frau an und drückte ihr Penis ins Gesicht

Völlig zugedröhnt und im Zustand grosser seelischer Belastung hat ein Mann in Dübendorf auf offener Strasse eine Frau attackiert, weil er Sex von ihr wollte. Dafür verurteilte ihn das Bezirksgericht Uster zu einer bedingten Gefängnisstrafe und dem Besuch einer langjährigen Therapie.

Ernst
Hilfiker
Sonntag, 16. September 2018, 14:31 Uhr 32-Jähriger für Tat in Dübendorf verurteilt
Das Bezirksgericht Uster verpflichtete einen jungen Mann wegen eines Angriffs zu einer Therapie. (Symbolfoto: Mike Gadient)

«Ein sexuell motivierter Überfall in der Nacht auf der Strasse durch einen Unbekannten ist schlichtweg als Albtraum zu bezeichnen.» Was die Staatsanwältin am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Uster in einem einzigen Satz zusammenfasste, beschreibt treffend, was eine Frau am 9. Juli 2017 in Dübendorf erleben musste. Die damals 35-Jährige war nach 4.30 Uhr an der Zürichstrasse von einem Unbekannten angesprochen worden – und zwar sehr direkt: «blas mer eis», forderte der Mann. Sie wies ihn ab, lief weg und telefonierte der Polizei.

Anwohner kam zu Hilfe

Der Mann folgte ihr und schlug sie auf den Hinterkopf. Die Frau setzte sich dann auf eine Bank bei einer Bushaltestelle, doch der Mann schlug weiter auf sie ein. Und er drückte seinen Penis gegen ihre Wange und forderte erneut Oralsex «oder ich fick dich vo hine».

Ein junger Anwohner hörte die Schreie der Frau und kam ihr zu Hilfe. Für dieses mutige Einschreiten erhielt er später den «Prix Courage» 2017. Der Angreifer wurde gleich darauf festgenommen und sass dann drei Monate lang in Untersuchungshaft.

Schon früher einmal zugeschlagen

Für den Mann, der sich am Donnerstag vor dem Gericht verantworten musste, forderte die Staatsanwältin eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die allerdings zugunsten einer ambulanten Behandlung aufzuschieben sei. Der 32-Jährige, der «aus krass egoistischen Beweggründen», nämlich «zur Befriedigung seiner sexuellen Lust» gehandelt habe, hätte die Frau sicher noch mehr körperlich und seelisch verletzt, wenn nicht ein Nachbar interveniert hätte. Der Angeklagte, der schon im Sommer 2015 einmal unvermittelt auf jemanden eingeschlagen hatte, sei laut einem Gutachter gefährlich. Deshalb sei eine Therapie zwingend.

Geständig trotz fehlender Erinnerung

Der Täter selbst kann sich an absolut nichts mehr im Zusammenhang mit der Tat erinnern, ausser dass er Stunden zuvor das Caliente-Festival in Zürich besucht hatte. Dennoch war er – und das ist in solchen Fällen sehr ungewöhnlich – geständig: «Ich gehe davon aus, dass sich das so zugetragen hat», sagte er zu der Schilderung des Ereignisses in der Anklage, wie es auch oben dargestellt ist. Und: er lehne Gewalt gegen Frauen ab.

«Ich war überfordert vom Leben.»

Der Angeklagte

Der Grund für seine Erinnerungslücke und letztlich vermutlich auch für den Angriff selbst: er sei damals in tiefster Trauer über den Tod seines Vaters und Grossvaters gewesen, die innerhalb von vier Wochen starben, habe seine Probleme «im Alkohol ertränkt» und Kokain  genommen. «Ich war überfordert vom Leben». Seit er 16 war, trank er Alkohol, ab 18 kamen noch Drogen dazu – seit der Tat jedoch sei er vollkommen abstinent. «Und dieses Leben tut mir recht gut.» Zudem besucht der Mann heute einmal wöchentlich eine psychiatrische Behandlung und nimmt Medikamente, die ihn stabilisieren.

Milde Strafe verlangt

Die Verteidigerin konnte sich recht kurz fassen: der Angriff war unbestritten, und der Mann habe damals unter einem schweren «Überforderungs- und Trauerzustand» gelitten, was zusammen mit dem Suchtmittelkonsum zu einer verminderten Schuldfähigkeit zur Tatzeit geführt habe. Die Anwältin forderte, der Angeklagte, der sich enorm zum Besseren gewandelt habe und «aufrichtige Reue» zeige, sei milder zu bestrafen, als es die Staatsanwältin wolle. Angebracht seien eine bedingte Geldstrafe von 360 Tagessätzen à 130 Franken, eine Busse von 100 Franken sowie lediglich eine Weisung, die begonnene Therapie weiterzuführen.

Kosten von gegen 30'000 Franken

Das Gericht folgte weitgehend der Anklage: Verurteilung wegen versuchter sexueller Nötigung, geringfügiger Sachbeschädigung (das Kleid der Frau wurde beim Angriff beschädigt) und Vergehen gegen das Bundesgesetz über den Bevölkerungsschutz und den Zivilschutz (der Mann war nicht zu einem Zivilschutz-WK eingerückt). Wie von der Staatsanwältin beantragt, gab es eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Diese wird jedoch aufgeschoben und dem Mann eine Weisung erteilt, während der langen Bewährungszeit von vier Jahren eine ambulante Therapie zur Behandlung seiner einstigen Alkohol- und Drogenabhängigkeit zu besuchen.

«Wir haben begründeten Anlass, eine günstige Prognose zu stellen.»

Der vorsitzende Richter

Zudem muss der 32-Jährige seine bedingte Vorstrafe vom Angriff im Jahr 2015 – eine Geldstrafe über 4000 Franken – nun bezahlen. Ebenfalls zu begleichen hat er Verfahrenskosten von über 25'000 Franken.

Nur knapp keine vollendete sexuelle Nötigung

«Nur dank glücklicher Umstände für das Opfer» sei es bei einer versuchten  sexuellen Nötigung geblieben und habe nicht mit einer vollendeten Tat geendet, sagte der vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Der Mann sei bei der nächtlichen Attacke brutal vorgegangen, zur Tatzeit aber tatsächlich mittelgradig vermindert schuldfähig gewesen. Weil bei erneutem Alkohol- und Drogenkonsum eine Rückfallgefahr bestehe, müsse er deshalb weiterhin eine Therapie besuchen. Folge er dieser Weisung, dann habe das Gericht «begründeten Anlass, eine günstige Prognose zu stellen».

Prix-Courage-Gewinner

Beim Mann, der der Frau in der Tatnacht zur Hilfe eilte, handelt es sich um den damals in Dübendorf lebenden Remo Schmid. Schmid hörte in der Nacht durch sein offenes Schlafzimmerfenster Schreie von einer Frau und überraschte anschliessend den Täter. Er rannte ihm nach und überwältigte ihn, bis die Polizei den Täter verhaften konnte. Für seinen Einsatz gewann Schmid 2017 den vom «Beobachter» jährlich verliehenen Prix-Courage. (zo)

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